URBANE KULTUR

Patricia Meeden: „Ich habe Rotz und Wasser geheult“

Frau Meeden, Sie machen regelmäßig das berüchtigte Insanity-Training, ein Mix aus Football- und Boxtraining. Haben Sie in Hamburg schon eine Gruppe Gleichgesinnter gefunden?
Patricia Meeden: (lacht) Tatsächlich habe ich einen Kollegen, der genauso verrückt ist wie ich. Der hat mich jetzt aber überredet, in seinen Gym zu gehen. Ich hab das gestern ausprobiert und jetzt den schlimmsten Muskelkater meines Lebens. Jetzt bin ich angefixt und will das auch direkt weitermachen. Das ist bei Urban Heroes und im Stil von Barry’s Bootcamp. Es ist nicht ganz Insanity, sondern mehr auf Laufbändern und mit viel Gewichten, also doch noch mal ne andere Nummer.
Sie geben das Insanity-Training ganz auf?
Meeden: Nein, wir werden auch Insanity machen, und zwar vor der Vorstellung als Warm-up.
Werden Sie das leiten?
Meeden: Nein, das wird mein Kollege machen. Ich bin leider etwas faul, wenn mich keiner zwingt. Ich trainiere, wenn ich muss. Und dieses berüchtigte Kostüm der Vivian ist halt wirklich äußerst freizügig, deswegen fange ich jetzt auch wieder an mit Hardcore-Training. In diesem Kostüm verzeiht man mir nichts. (lacht laut)
Ich wollte gerade fragen, was denn daran reizvoll ist, sich freiwillig zu quälen, und jetzt kommen Sie mit dem Kostüm … Eigentlich hätte ich angenommen, dass der Wille zum quälenden Sport bei Ihnen angelegt ist.
Meeden: Ich bin natürlich auch eitel, wenn ich auf der Bühne stehe. Je knapper meine Kostüme sind – und die werden irgendwie immer knapper, je älter ich werde –, desto (sie wird vom eigenen Lacher eingeholt) härter muss ich natürlich auch trainieren! Das ist nicht mehr so einfach wie früher, schon gar nicht bei meinem großen Appetit. Ich muss schlicht mehr trainieren, weil ich mich weigere, eine jegliche Form von Diät zu halten. Das wäre keine Lebensqualität, und deshalb trainiere ich lieber hart und esse weiterhin, was ich möchte.
Jetzt fischen Sie aber gewaltig nach Komplimenten, Frau Meeden! Als der Film „Pretty Woman“ in die Kinos kam, waren Sie gerade mal Vier. Wie und wann hat Sie der Film gepackt?
Meeden: Ich habe ihn als Teenager gesehen, ich glaube, so mit 16 oder 17. Und ich habe mich dermaßen in Richard Gere verknallt, das war dann erst mal für ne Weile mein Traummann.
Sind Geld und Liebe das ewige Gegensatzpaar in der Popkultur? In ihrem vorherigen Musical engagiert die Sängerin Rachel Marron den Leibwächter Frank Farmer. In „Pretty Woman“ wird die Hure Vivian vom reichen Unternehmer Edward für eine Woche engagiert.
Meeden: Die beiden Sachen passen irgendwie zusammen, so blöd das jetzt klingt. Es ist immer guter Stoff für eine unkonventionelle Liebesgeschichte.
Wie interpretieren Sie die Rolle der Vivian?
Meeden: Die Vivian ist ein Dickkopf, sie ist nicht doof, und sie ist ein fröhlicher, guter Mensch. Sie ist einfach ins falsche Milieu abgerutscht. Sie hat sehr viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen und muss sich da jetzt irgendwie wieder rausboxen. Sie braucht halt auch ein bisschen Hilfe, und da kommt Edward genau im richtigen Moment. So kann sie Kraft sammeln, um sich aus ihrer schlechten Lage zu befreien. Und die Liebe beflügelt natürlich auch.
Sie haben schon wiederholt gesagt, dass Ihnen Diven-Gehabe nicht gefällt. Wenn Vivian etwas nicht ist, dann eine Diva.
Meeden: Vivian ist das wirklich gar nicht. Und sie ist auch ein bisschen mehr an mir dran als die Rachel Marron. Drei Jahre „Bodyguard“ waren auch genug, manchmal habe ich backstage Sachen rausgehauen, wenn ich Stress hatte, dass ich mir sagte: O mein Gott! Das war gerade echt diese Rolle, das bist nicht du!
Ist Ihnen die Figur nicht ein bisschen zu positiv, zu unangefasst von der rauen Welt, in der sie lebt?
Meeden: Na ja, unangefasst! Sie ist ne Prostituierte!
Okay, 1:0 für Sie. Aber Sie wissen schon, wie ich es meine?
Meeden: Ja, natürlich. Man muss sie halt entsprechend anlegen. Die hat schon einiges erlebt, auf jeden Fall, und das versuche ich mit einzubauen. Sie ist relativ naiv am Anfang, aber sie macht eine wahnsinnige Wandlung durch zum Schluss. Wenn ich das richtig spiele, sollte das auch rüberkommen. Sie wird sehr, sehr schnell reifer, erwachsener im Laufe des Stücks.
Bleibt Ihr Wunsch nach bösen Rollen jetzt irgendwie auf der Strecke?
Meeden: Ich bin Schauspielerin und spiele gern so verschiedene Rollen wie nur möglich. Jetzt habe ich sehr lange eine Diva gespielt und darf nun endlich wieder ein bisschen Comedy rauslassen, das hab ich seit „Sister Act“ nicht gehabt. Genauso sehr freue ich mich darauf, irgendwann mal eine richtig biestige Person zu spielen.
Haben Sie eine neue Wunschrolle?
Meeden: Ja! Ich war gerade in London kurz vor Probenbeginn hier und habe das Musical „Waitress“ gesehen. Zuerst dachte ich: O Gott, da geht es um Kuchen! Das wird ja so was von platt! Dann saß ich da in der Vorstellung und habe Rotz und Wasser geheult. Die Jenna aus „Waitress“ ist eine neue Traumrolle. Eine wunderbare Geschichte, eine wahnsinnige Wandlung und so nah am Leben!

Interview: Jürgen Wittner

Tickets für „Pretty Woman – Das Musical“ können hier erworben werden.

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