„Pillion“: Zu Herzen gehendes BDSM-Liebesdrama
In Harry Lightons Spielfilmdebüt „Pillion“ agieren Alexander Skarsgård und Harry Mehling als Liebespaar voller Romantik, Dominanz und Unterwürfigkeit. Jetzt in den Kinos.
Colin kann sein Glück nicht fassen. Normalerweise arrangiert seine Mutter die Dates für ihren schmächtigen und schüchtern Sohn. Doch nun steckt ihm dieser blonde Hüne, den er verstohlen in einem Pub anschmachtet, tatsächlich seine Telefonnummer zu. Die Komödie „Pillion“ läuft jetzt im Kino.
Das erste Treffen am Weihnachtstag fällt allerdings anders aus als erhofft. In einer dunklen Straßenecke lässt der wortkarge Bikes Colin (Harry Meling, „Das Damengambit“, „The Ballad of Buster Scruggs“) auf die Knie gehen, die Stiefel lecken und verschwindet nach einem ruppigen Blow-Job auch schon wieder. Es ist der Beginn einer ungewöhnlichen Romanze bzw. DomCom, wie Alexander Skarsgård („Murderbot“, „Die Fotografin“) in Interviews diesen zu Recht gehypten Debütfilm gern bezeichnet. Regisseur Harry Lighton gelingt in dieser von den 70ern in die Gegenwart verlegten Adaption von Adam Mars-Jones‘ Roman „Box Hill“, woran „Fifty Shades of Grey” gnadenlos scheiterte: nämlich die Machtverhältnisse einer BDSM-Beziehung sich organisch und nachvollziehbar entwickeln zu lassen. Das liegt auch daran, dass die Chemie zwischen Harry Melling (dem bösartigen Cousin Dudley in der „Harry Potter-Reihe“) und dem ausdrucksstark agierenden Skarsgård in jeder Sekunde überzeugt. Wie Colin in dieser von Fürsorge und festen Regeln geprägten Beziehung über sich hinauswächst, in der schwulen Bikergang seines charismatischen Lovers erstmals Gemeinschaft erlebt, wird mit großer Selbstverständlichkeit erzählt. Dass Colin wie ein Hausangestellter behandelt wird und auf dem Boden vor dem Bett seines Masters schlafen muss, mutet zunächst skurril an. „Pillion“ macht sich darüber aber nicht lustig, ist aber dennoch ungemein komisch und zuletzt ein zu Herzen gehendes Liebesdrama.