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„Canzoni segrete“ von Pippo Pollina: Kontrolliert geteilte Geheimnisse

Portraitfoto Pippo Pollina s/w
Foto: Lena Semmelroggen

Pippo Pollina nennt sein neues Album „Canzoni segrete“ – und ist im Gespräch nicht ganz so freizügig wie in der Musik.

Pippo Pollina, wie ist es dir beruflich und privat in den zurückliegenden Monaten ergangen?

Pippo Pollina: Naja, das sind schon seltsame Zeiten. Zuerst ging es mir wie vielen Kolleg:innen richtig gut: Ich hatte Zeit zum Komponieren, habe sogar einen Roman geschrieben …

Verrätst du den Titel und die Story?

Pollina: Nein, im Moment nur so viel: Das Buch erscheint in diesem Jahr. Aber zurück zu deiner ersten Frage: Bisher habe ich die Zeit gut genutzt, und ich hatte auch erst mal gar keine große Sehnsucht nach der Bühne. Aber so langsam habe ich keine Lust mehr auf Onlinekonzerte. Die Pandemie wird zum Problem – wir müssen ständig unsere Konzerte verschieben.

Genau, eigentlich hättest du von Mitte Januar an mit deinem neuen Album „Canzoni segrete“ touren sollen …

Pollina: Das ist schon wieder Makulatur. Die jetzige Planung ist: Wir fangen im März in Italien an und kommen dann nach Mitteleuropa, wenn das Wetter besser ist und die Coronazahlen hoffentlich wieder etwas freundlicher sind.

In deinen neuen Songs hast du dich mit dem Älterwerden beschäftigt. Ist das nicht ein bisschen zu früh mit 58?

Pollina: Ich befinde mich in einer Lebensphase, in der man beginnt, von Menschen Abschied zu nehmen. Die Eltern sterben, Freunde sterben viel zu früh. Das ist auf einmal alles viel präsenter, als wenn du 20 bist. Und in jeder dieser Lebensphasen versucht man zu verstehen, welche Rolle man hat.

Heißt das Album „Canzoni segrete“, weil du unterstreichen wolltest, wie persönlich die Songs sind?

Pollina: Ich glaube, dass jeder versucht, seine Kunst vor der Banalität der Masse zu schützen. Wenn du einen neuen Song geschrieben hast, willst du erstmal deine Familie, deine Freunde, das nähere Umfeld dafür begeistern. So geht es mir zumindest. Ich liebe diese intime Attitüde und möchte, dass jede:r meiner Zuhörer:innen das Gefühl hat, ich singe nur für ihn oder für sie meine geheimen Lieder.

Das Album klingt nach der bisher bei weitem aufwändigsten Produktion: stilistisch, aber vor allem wegen der Arrangements.

Pollina: Eigentlich ist es nichts Neues für mich. Es ist meine Attitüde, mich innerhalb des gesamten mir bekannten musikalischen Spektrums zu bewegen und dabei trotzdem meine Stimme im Zentrum des Geschehens zu behalten. Das war auch jetzt das Ziel, und ich glaube, Martin Kälberer und ich haben es ganz gut hinbekommen.

Pippo Pollina über sein neues Album „Canzoni segrete“: „Wir wollten uns zwischen Swing und Rock bewegen.“

Es gibt die klassische Cantautore-Ballade, Folkeinflüsse, Ausflüge in die Welt eines Paolo Conte und auch Popsongs.

Pollina: Wir wollten ein sehr perkussives Album mit unzähligen kleinen Details machen. Streicher und ethnische Instrumente sollten Raum bekommen, und wir wollten uns zwischen Swing und Rock bewegen. Aber das Wichtigste: Es geht darum, dass beim Hören von Lied zu Lied eine Kontinuität da ist und die Songs ohne große Brüche funktionieren.

Wo liegt denn nun eigentlich dein Lebensmittelpunkt – in Zürich oder in Palermo?

Pollina: Ach, ich bin so viel unterwegs, wie eine Schnecke, die ihr Haus mit sich rumschleppt. Dass ich vor Jahrzehnten in Zürich gelandet bin, war ein Zufall – aber es war das Beste, was mir passieren konnte, und ich habe das Bestmögliche daraus gemacht.

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