KULTUR

Theaterkönnerin Nora Abdel-Maksoud: „Political Correctness ist ein Kampfbegriff“

Nora Abdel-Maksoud über Political Correctness
Foto: Jan Krattiger

Nora Abdel-Maksoud, in „Rabatt“ geht es um Sozialbestattungen – also die Beerdigungen, die diejenigen kriegen, die sich schon im Leben nichts leisten konnten und erst recht nicht, wenn sie gestorben sind. Wie kamen Sie denn darauf?

Nora Abdel-Maksoud: Im Frühjahr 2019 saß ich für ein paar Wochen als Autorin in einem Writers Room für eine Serie, in der viel gestorben wurde. Für zwei meiner Theaterstücke hatte ich zu dem Zeitpunkt schon zur Klassenfrage recherchiert, mich also bereits längere Zeit mit der Frage herumgeschlagen, warum die einen alles haben und die anderen nichts. Das habe ich mit in die Recherche genommen und stieß so auf das Skandalon der ordnungsbehördlichen Bestattung: Eine deutsche Verwaltungspraxis, die in ihrer Menschenverachtung schon ihresgleichen sucht. Irgendwie war ich aber damals die Einzige, die das für eine gute Idee hielt. In die Serie hat das Thema es nicht geschafft, was vielleicht ein Glück war. So entstand „Rabatt“.

Sie gehen erneut in einer Komödie auf aktuelle Brandthemen ein. 2018 in „The Sequel“ auf die Political Correctness, nun auf die Verteilungslage in der Gesellschaft. Wie ernst ist es Ihnen mit ihren Stücken?

Abdel-Maksoud: Die sogenannte Political Correctness, ja. Ich nenne das nicht so, ich halte es für einen Kampfbegriff. Aber zu Ihrer Frage: Also, es ist mir wahnsinnig ernst. Ich meine, was für ein Privileg, dass da Leute ins Theater kommen und sich anhören, was wir so denken! „The Sequel“ und jetzt auch „Rabatt“ sind schwarze Komödien – ich habe mal irgendwo gelesen, dass das, was die Komödienschreiber:innen oft im Kern bewegt, eine wahnsinnige Wut ist. Ich merke von der im Alltag nicht so viel, ich verprügele keine Leute im Bus oder so, aber ich glaube, da ist was dran. Mich wirft die Welt schon oft …

Bei ihrem satirischen künstlerischen Zugang sind ihre Lieblingsfilme sicher „Dr. Strangelove“ und Monty Pythons „Sinn des Lebens“, oder?

Abdel-Maksoud: Mein Lieblingsfilm mit 17 war „Velvet Goldmine“ von Todd Haynes. Den muss ich nennen, weil ich ihn bis heute auswendig kann. Wegen „Velvet Goldmine“ habe ich mich überhaupt erst getraut, Kunst zu machen. In den letzten paar Jahren musste er aber den Thron räumen, für Filme wie „Parasite“ oder „The Square“.

„Rabatt“ hatte am 27. März im Maxim Gorki Theater Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 10. April und 28. Mai.

Tickets gibt es hier.

Und hier gibt es mehr zu sehen aus „The Sequel“:

 

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