MUSIK

Poppy Ackroyd macht keine „Pause“, sondern ein gleichnamiges Album

Poppy Ackroyd Portrait
Jesse Williams

Es ist das inzwischen vierte Album von Poppy Ackroyd, das unter dem Titel „Pause“ im November auf One Little Independent erscheint. Die in Brighton lebende Klavierkünstlerin und Komponistin lässt die Zeit der Lockdowns und lahmgelegten Kultureinrichtungen nicht ungenutzt verstreichen – wie so viele ihrer Künstlerkollegen auch. Während der Pandemie und kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes hat sie also ein neues Mosaik aus Klaviermelodien gestaltet. Bei den Songs handelt es sich um eine Sammlung von 10 Soloklavierstücken. Der Titel bezieht sich allerdings auf das Gefühl, das normale Leben vorübergehend auf Eis zu legen.

Frühlingserwachen für Ohren und Augen

Die Single „Seedling“ ist bereits am 12. August erschienen. Inspiriert von den Naturwundern des Frühlings, wie Ackroyd sie bei frühmorgendlichen Spaziergängen durch Brightons Queen’s Park sicher oft erlebt hat, hört jeder das Blühende sofort heraus. Das Lied nährt sich von optimistischen Melodien, die sich mit dem stetigen Aufbau glitzernder, kaskadenförmiger Klaviertasten eröffnen. Das beinahe fraktalhaft anmutende und damit recht abstrakte Video zum Song entstand in Zusammenarbeit mit der gefeierten Videografin Jola Kudela. Erst bei genauem Hinsehen wird klar, dass es sich um extreme Nahaufnahmen vereister Pflanzenelemente handelt, die sich im Verlauf des Soloklavierstücks nach und nach entfalten.

„Ich habe versucht, mir den Prozess des Erwachens der Natur vorzustellen, beginnend mit einem Samen, der sich dann langsam in einen Keimling verwandelt. Wir beginnen also mit einer gefrorenen Umgebung, die den Samen einkapselt – er scheint in der eisigen Welt gefangen und unbeweglich zu sein. Dann beginnt er sich allmählich zu erwärmen und aufzutauen, wobei er mit der Kraft kämpft, die ihn eingefroren hält“, erklärt Kudela ihre Vorgehensweise.

Wie die Arbeit mit Videotechnik meditativ wirken kann

Passend zu den zarten Klängen und der hohen Tonart, in der Poppy Ackroyds Single „Seedling“ daherkommt, wohnt auch dem Video etwas fragiles inne. Macherin Kudela erzeugt die Kaleidoskop-artigen Effekte mit aufwendiger Technik und einer genau durchdachten Herangehensweise: „Ich sammelte kleine Pflanzenstücke und Blätter, tauchte sie in Wasser und legte sie in meinen Gefrierschrank. Dann beobachtete ich den Prozess des Auftauens und filmte ihn im Zeitraffer.“ So sei der technische Ansatz zu einer Form der Meditation und der Konfrontation mit der Zeit für die Filmemacherin geworden. Diese Zeitlichkeit findet das Publikum auch im Sound des Klavierstücks wieder, wodurch Klang und Visualisierung im Videoclip verschmelzen.

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