Pressure Drop im Interview

Als „Blood Brothers„ haben die Londoner Djs Justin Langlands und Dave Henley seit Jahren eine eigene Kult-Radiosendung. Als DJ- und Musikerkollektiv „Pressure Drop„ galten ihre ersten beiden Alben vor allem in ihrem Heimatland als Geheimtip – ein Status, dem der dritte Longplayer „Elusive„ entwachsen sollte. Dort verdichten sich urbane Klangcollagen zu Songs von beunruhigender Intensität und ziehen einen in den Sog einer schaurig-schönen Großstadtparanoia.

K!N: Speziell beim Hören eurer neuen Platte drängt sich der Vergleich zu Massive Attack auf. Kannst du diese Assoziation nachvollziehen?

Justin Langlands: Massive Attack haben eine Einstellung zum Musikmachen, die unserer sehr verwandt ist. Sie sind sehr aufgeschlossen, beziehen sich auf einen ähnlichen kulturellen Hintergrund und sind genau wie wir stark durch Hip-Hop und jamaikanische Musik beeinflusst.

K!N: Eure Musik klingt sehr urban. Wäre eure Arbeit auch in ländlicher Umgebung denkbar?

Langlands: Wahrscheinlich würde die Musik etwas anders klingen, oder? Tatsächlich ziehen wir demnächst samt Studio nach Brighton. Der Grund für den Umzug ist einerseits meine Freundin, die in dort wohnt, andererseits die Gelegenheit, bezogen auf unsere Arbeit einmal eine andere Perspektive zu bekommen. Brighton ist weniger intensiv als London und liefert uns eine entspanntere Arbeitsatmosphäre.

K!N: Wie ist eure Vorgehensweise, gibt es zwische Dave und dir eine festgelegte Arbeitsteilung?

Langlands: Im Grunde machen wir beide das Gleiche: Komponieren, Arrangieren und Produzieren. Es fängt an, indem einer von uns eine Idee egal ob Text oder Musik einbringt und der andere weiterhilft. Man kann das mit einem Echo vergleichen, das auch nie genauso klingt, wie der ursprüngliche Laut. So werfen wir uns gegenseitig die Idee zu und jedesmal kling sie wieder ein wenig anders – ein Effekt den du als Einzelperson nie erreichen kannst.

K!N: Ihr führt auch musikalische Regie über diverse Gastmusiker. Welche Rolle spielen sie in eurer Musik?

Langlands: In der Tat kann man hier ähnliche Begriffe wie im Film anwenden. Genau wie Drehbuchautoren entwickeln wir eine Art Handlung, kreieren Charaktere. Als Regisseure unserer Musik schaffen wir dann den nötigen Freiraum für die Gastmusiker, die ähnlich wie Schauspieler ihre persönliche Interpretation einbringen und eigene Gefühle ausdrücken.

K!N: Die Grundstimmung in eurer Musik scheint eher düster-atmosphärisch. Läßt sich das auch auf eure Sicht der Welt übertragen?

Langlands: Oftmals ist es interessanter, in bezug auf die Welt schwarzzusehen aber nicht unbedingt im negativen Sinn, da ja auch eine gewisse Menge Humor darinsteckt, sondern einfach, weil diese Art von Gefühlen intensiver ist.

(wd)

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