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Ragnar Ægir: „I’m at home“ feiert die Heimat des Isländers

Ragnar Ægir
Foto: Lorenz Weisse

Heute gibt es eine neue Single von Ragnar Ægir: „I’m at home“ ist ein cinematischer Song, in dem der Isländer seine Heimat feiert. Das Video dazu stammt von der Bloggerin Ása Steinars. Ragnar Æegir ist vor kurzem nach Deutschland gezogen, doch das Land seiner Geburt liebt er noch immer. Wir haben mit Ragnar über seine Kindheit, das Leben in Deutschland und seinen Sound gesprochen.

Ragnar, „I’m at home“ ist eine Ode an deine Heimat. Wie ist deine Beziehung zu Island?
Ragnar Ægir: Ich bin am Rand des Vatnajökull-Nationalparks im Südosten des Landes aufgewachsen. Als Kind und als Teenager habe ich die Landschaft einfach als gegeben hingenommen. Heute kann ich nicht glauben, wie privilegiert ich war, von so viel unberührter Wildnis umgeben aufzuwachsen. Als ich jung war, war zu Hause ein Ort, den ich hinter mir lassen wollte. Jetzt werde ich älter und will dahin zurück.

Ich habe festgestellt, dass die richtige Balance für mich ist, wenn ich alle paar Monate dorthin zurückkehre, anstatt immer da zu leben. Wenn ich ein paar Wochen da bin, steigt meine Energie ins Unermessliche, vor allem wegen der Menschen und der wunderbaren Natur. Aber wenn ich zu lange bleibe, werde ich rastlos und will zurück zur Basis in Deutschland. Immer mal wieder kämpfe ich mit Heimweh. Wenn ich zu nicht zu Weihnachten oder zum Schafehüten im Herbst nach Island kann, macht mich das ein bisschen fertig. Mit der Pandemie war es schwierig: Meine Frau, meine zwei kleinen Söhne und ich konnten nicht so oft dorthin reisen, wie wir gewollt hätten. Jetzt können wir es gar nicht mehr erwarten!

Du sagst, andere isländische Künstler:innen wie Björk, Of Monsters and Men oder Sigur Rós inspirieren dich. Warum bringt ausgerechnet Island so viel tolle Musik hervor?
Ægir: Ich habe immer gesagt, dass ich wahrscheinlich nicht den Mut gehabt hätte, Songwriter zu werden, wäre ich nicht in Island geboren. Irgendetwas in unserer Mentalität, unserer Energie und Furchtlosigkeit lässt uns Risiken eingehen und unsere Kreativität mit der Welt teilen. Ich sehe es als Privileg, Teil dieses kleinen Stamms zu sein. Wir bevorzugen Qualität vor Quantität, sind alle Perfektionist:innen. Aber zugleich helfen sich alle gegenseitig, was total ermutigend ist. Es gibt ein großes Netzwerk aus Unterstützung, und auch die Gesellschaft im ganzen steht hinter allen Richtungen von Kunst, von Unternehmensgeist und kreativen Projekten.

„Das Video macht Lust, nach Island zu reisen“

Das Video hast du mit der Influencerin Ása Steinars gefilmt. Wie ist es dazu gekommen?
Ægir: Anstatt darauf zu warten, dass meine Songs in Fernsehsendungen oder Filmen verwendet werden, wollte ich sie von Anfang an mit cinematischen Visuals kombinieren. Ich habe schon mit einigen großartigen Kreativen arbeiten können, aber ich bin besonders stolz auf meine Arbeit mit Ása. Sie hat auf Instagram mehrere Reels und Stories mit meiner Musik darin produziert, vor und nach der Veröffentlichung. Ihre Nische sind Abenteuerreisen durch Island, es passt also zu der Stimmung, die ich mit meiner Musik einfangen will. Sie hat bei dem Video zu „I’m at home“ einen wunderbaren Job gemacht. Ich wollte darin die Reise vom Flughafen zu meiner heimatlichen Farm in Hali als eine Art Roadtrip darstellen. Als ich die erste Fassung ihres Films gesehen habe, in dem sie das gelbe Haus betritt, in dem ich wohne, wenn ich in Island bin, bin ich super emotional und nostalgisch geworden. Das Video wird dir Lust machen, nach Island zu reisen – oder dorthin zurückzukehren!

Du bist kürzlich nach Deutschland gezogen. Wie läuft es? Gibt es große Unterschiede zwischen den beiden Ländern?
Ægir: In Deutschland habe ich eine zweite Heimat gefunden. Ich bin sehr glücklich, dass ich (unter normalen Umständen) so leicht zwischen beiden Ländern reisen kann. In Island könnte ich nur dort leben, wo ich aufgewachsen bin, und so weit draußen gibt es auch viele Herausforderungen. Als Kind war es normal, 60 km zum Einkaufen zu fahren. Mit 13 musste ich umziehen, um zur Schule gehen zu können. So etwas wünsche ich mir für meine Söhne nicht.

Zu Hause zwischen Vulkanen

Daher haben meine Frau und ich beschlossen, ein Haus in der Rhön zu bauen, wo sie aufgewachsen ist. Wir lieben es hier, obwohl ich manchmal meine Freunde und Familie in Island vermisse.Ich mag das Wetter in Deutschland und die Landschaft in der Rhön. Es ist eine alte Vulkanlandschaft, was sich für mich natürlich wie daheim anfühlt!

Deine Debüt-EP erscheint am Ende von 2021. Wie ist sie entstanden? Worauf können die Fans sich einstellen?
Ægir: Als Kind war ich besessen von Musik, aber dann hat die Startup-Firma, die ich gegründet habe, mein Leben übernommen. Zehn Jahre lang habe ich gar keine Musik gemacht. Mit 30 habe ich eine Krise durchgemacht und realisiert, dass ich jetzt anfangen muss, wenn ich jemals etwas mit Musik zu tun haben will. An meinem 31. Geburtstag, in diesem Februar, habe ich meine erste Single „The Surface“ veröffentlicht.

Jetzt ist das Schreiben von Musik für mich eine Notwendigkeit, eine Art Therapie. Alle drei Monate bin ich gegen die Wand gefahren, war ausgebrannt und unglücklich. So war es die letzten drei Jahre meines Lebens. Davon habe ich eine Pause gebraucht, und die Musik hat sie mir ermöglicht. Meine Frau hat mir beim Schreiben unersetzlichen Beistand geleistet. Wenn ich sie mit einem Song nicht überzeugen konnte, habe ich ihn weggeworfen und mit dem nächsten angefangen. Ich teile meinen Prozess auch viel auf Instagram und bekomme dort wichtiges Feedback von meinen loyalen Fans.

Mein Ziel ist es, zeitlose cinematische Popsongs zu schreiben, die gut mit visueller Begleitung funktionieren. Ich erforsche zwar immer neue Emotionen, aber ich glaube, die konstante ist dieser Breitwand-Vibe.

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