Reef

Retro-Rocker seien sie nicht, ganz und gar nicht, beteuern Reef. Nehmen wir es also als Zufall, daß die Musik, die Kenwyn House (g), Dominic Greensmith (dr), und Sänger Gary Stringer am Herzen liegt, nicht ganz unähnlich dessen ist, was Bands wie Free vor vielen Jahren produzierten. Die Londoner haben garde ihr drittes Album „Rides“ (Epic/ Sony) in die Läden gebracht. Es wäre auch schon eher fertig geworden, aber im letzten Sommer war wegen der Fußball-WM Schaffenspause angesagt.

KULTUR!NEWS: Seid Ihr so sportbegeistert, daß euch Fußball sogar über die Musik geht?

Kenwyn House: Nein – für uns ist das Unterhaltung, etwas zum Abschalten, aber keine Inspirationsquelle. Wir spielen auch selber, nicht sonderlich ernsthaft, einfach, um ein Minimum an Fitness zu bewahren und um die Lungen ab und an mal zum Arbeiten zu bringen. Aber zu der Zeit in Amerika zu sein, wo sie sich um Fußball einen Dreck scheren, wäre falsch gewesen.

Gary Stringer: Und Fußball findet sich in unseren Stücken auch nicht wieder; es gibt schon viel zu viele Fußball-Songs.

K!N: Wenn schon nicht Fußball, was hat dann euren Stil ruhiger und offener gemacht?

House: Es ist eine logische Entwicklung, aber nichts Geplantes. Wir wußten nicht, was wir wollten, aber wir wußten, was für Zeugs wir auf dem Album nicht haben wollten.

K!N: Zum Beispiel?

Dominic Greensmith: Am Ende des Songs versehentlich die Tonart zu wechseln.

House: Oder die Füße auf die Monitore zu stellen.

Stringer: Ich denke, wir sind einfach besser geworden in dem, was wir machen. Wir können jetzt ja nicht mehr behaupten, wir seien Neulinge. Die ersten beiden Alben waren in dem einen großen Schwung entstanden, einen Vertrag zu bekommen, Songs aufzunehmen, auf Tour zu gehen, Erfolg zu haben, neues Album aufzunehmen, für anderthalb Jahre auf Tour zu gehen – und dann erst auszuatmen. Wir sind durch diese Mühle durch.

K!N: Und die Retro-Orientierung habt ihr dabei wietestgehend aufgegeben?

Stringer: Ich würde behaupten, wir waren nie retro. Die Erinnerung ist doch immer rosa eingefärbt. Dann kann man natürlich zurückblicken und sagen: Die Sechziger waren die beste Zeit, die es jemals geben wird. Ist aber nicht unsere Meinung. Warum sollten die Neunziger weniger vergnüglich sein? Man muß halt wissen, was man will und aus dem, was man hat, das beste machen. Es gibt genug Leute, für die die Sechziger eine fürchterliche Zeit waren.

Interview: Rolf von der Reith

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