Spezial

Neu und progressiv: Die Resi-Mediathek sendet „Bruder Eichmann“ aus dem Residenztheater in München

Schwarz-weiß-Foto von Thomas Lettow in der Inszenierung „Resi sendet: Bruder Eichmann“
Auf dem Foto zu sehen: Thomas Lettow. Foto: (c) Residenztheater

Ab dem 14. Dezember begibt sich das Münchener Residenztheater aufgrund des nicht enden wollenden, pandemiebedingten Kulturlockdowns erneut auf digitale Wege. Auf der Webseite des Theaters wird es also etwas ganz Neues zu entdecken geben: die Resi-Mediathek.

Ganz genau, auch Theater können digital: So finden sich in der Resi-Mediathek neben Inhalten, die während den Schließungen des Theaters entstanden sind (wie die Folgen des „Tagebuchs eines geschlossenen Theaters“) auch ausgewählte Hörbücher der Reihe „Resi liest“ und Informationen zu „Resi zoomt“ sowie Trailer zu den Repertoire-Stücken des Residenztheaters. Darüber hinaus wird die Mediathek ständig mit neuen digitalen Inhalten erweitert: Am 14. Dezember um 17.30 Uhr startet die Hörbuch-Reihe mit „Resi liest: Die Sehnsucht der Kaltblüter“ von Wolfgang Maria Bauer, und ab dem 16. Dezember können Kinder den kleinen Eisbären Pelle und das Pinguinmädchen Pinguine auf ihrer Suche nach dem Weihnachtsmann begleiten.

Regelmäßige Theatergänger:innen und diejenigen, die es noch werden wollen, dürfte aber besonders das Video-on-Demand-Angebot ganzer Stücke interessieren.

„Bruder Eichmann“ live im Marstall und auf Abruf in der Resi-Mediathek

Am 14. Dezember wird die Resi-Mediathek mit einem filmischen Projekt von Heinar Kipphardt gebührend eingeweiht – der Titel: „Resi sendet: Bruder Eichmann“. Zeitgleich findet eine Filmpremiere im Marstall der Münchener Residenz live und vor Publikum statt – denn aktuell ist die Wiedereröffnung des Theatersaals im Marstall ab 11. Dezember fest eingeplant, solange eine 7-Tage-Inzidenz von 1 000 in München nicht überschritten wird.

Das Stück befasst sich auf der Bühne und dem Bildschirm mit dem Eichmann-Prozess, der 16 Jahre nach dem Sturz des Nazi-Regimes in Deutschland stattfand und die Schuldfrage der Deutschen sowie die dazugehörige juristische Aufarbeitung in den Fokus der Weltöffentlichkeit rückte. Bis heute ist der Prozess exemplarisch und unvergessen, lieferte Eichmann selbst doch mit seiner Verteidigungshaltung eine Art Blaupause für viele nach ihm angeklagte Kriegsverbrecher:innen, indem er jede persönliche Verantwortung kategorisch abstritt. Hannah Arendt bezeichnete Eichmanns Selbstinszenierung als bloßes „Rädchen im Getriebe“ des Regimes, in ihrem berühmten Prozessbericht als „Banalität des Bösen“. Ein bis heute prägender Begriff.

Nach der Uraufführung 1983 am Residenztheater wurden Kipphardts Stück und die Darstellbarkeit der Person Eichmann auf der Bühne kontrovers diskutiert. Ob die digitale Abbildung der Aufführung auch hohe Wellen schlagen wird? Bewerten können Interessierte die Inszenierung im Dezember, wenn das „Resi sendet: Bruder Eichmann“ einmalig mit Livemusik aufgeführt wird und im Anschluss auch in der neuen Resi-Mediathek, via YouTube und auf der BR KulturBühne online abrufbar sein wird.

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