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Roberto Saviano: Zero Zero Zero

Wenn Roberto Saviano gleich auf der ersten Seite behauptet, womöglich kokse sogar die eigene Mutter, neigt man dazu, seine Behauptung, die Welt werden von globalen Kokainströmen und den Wucherungen des Narcokapitalismus zusammengehalten, für übertrieben zu halten. Sein individueller, pathetisch-düsterer Zugang zur Materie („Ich habe in den Abgrund geblickt und bin zu einem Ungeheuer geworden“) verstärkt diesen Impuls, doch nach knapp 500 Seiten lässt Saviano den Leser mit Unbehagen zurück: Das Buch ist weniger eine strukturierte Studie über den weltumspannenden Drogenhandel als ein reißender Gedankenfluss, der um das „Weiße Öl“, seine Akteure und seine Auswirkungen zirkuliert.

Er beschreibt die Drogenkriege Südamerikas als Irrwitz völlig entgrenzter Gewalt, unterstreicht die Verquickungen der Banken, die nur allzu gerne die Milliarden waschen, weist auf Politik und Medien, deren ohnehin geringer Widerstand wirkungslos bleibt, so dass es ihnen einfacher scheint, die Augen zu verschließen und selbst die Hand aufzuhalten.

Saviano tut das mithilfe zahlreicher Geschichten aus dieser Schattenwirtschaft, und so ziellos diese Herangehensweise auch manchmal anmuten mag, so deutlich ist die Botschaft, die transportiert wird: Die kapitalistische Logik des Immer-Mehr hat hier längst jede Vorstellung einer funktionierenden Gesellschaft pervertiert und in ein Delirium aus Gier und Gewalt überführt. Der Verdienst seines Buches ist zu verdeutlichen, dass diese Welt nicht abseits der unsrigen existiert, sondern nur die notwendige andere Seite der Münze ist, die wir uns täglich in die Taschen stecken.

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