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„Knüppel aus dem Sack“ von Schandmaul: Honig am Schwanz

Wenn sich Frontmann Thomas Lindner für die Schandmaul-Texte von „Knüppel aus dem Sack“ mit der Vergangenheit beschäftigt, fallen dabei auch praktische Tipps für den Alltag im Jetzt ab.

Bandfoto Schandmaul
Foto: Heilemania

Thomas, mit „Knüppel Aus dem Sack“ liegt nun ein neues Album von Schandmaul vor. Hast du die Coronazeit einigermaßen okay überstanden?

Thomas Lindner: Geht so. Dank der Pandemie bin ich ins alltägliche Arbeitsleben zurückgekehrt. Seit 2002 bin ich Profimusiker mit Schandmaul, doch seit zwei Jahren arbeite ich zusätzlich bei einer Lasertechnikfirma im Lager.

Ihr hattet über die Jahre mehrere Alben unter den ersten Drei, eins sogar an der Spitze der Charts. Da denkt man eigentlich, so schnell wird die Kohle nicht knapp.

Lindner: Diese Vorstellung ist ein bisschen zu romantisch. In besseren Jahren hat es gut zum Leben gereicht, doch Reichtümer anhäufen oder wenigstens so viel zur Seite legen können, dass man den Lebensabend damit vorbereiten oder Krisen aussitzen kann, haben wir nicht.

Wenigstens hat die zweijährige Konzertkrise ja dazu beigetragen, dass das neues Album von Schandmaul „Knüppel aus dem Sack“ so richtig schön vor angestauter Energie strotzt.

Lindner: Das ist auf jeden Fall richtig, allerdings waren wir mit dem Songschreiben schon vor der Seuche durch. Wir haben das fertige Album einfach ein Jahr liegen lassen.

Das ist lustig, denn „Der Quacksalber“ handelt ja von vorne bis hinten von – nennen wir sie mal freundlich – Alternativmedizinern und ihren Jüngern.

Lindner: Tja, genau so ist es. Ich habe meine klare Meinung zu dem Thema schon vor Corona gehabt. Aber jeder soll meinetwegen glauben, was er will. Ich bin da tolerant, und vielleicht hilft es ja ein wenig, wenn man nur fest genug von einer bestimmten Wirkung überzeugt ist.

Es schadet also nichts, sich Honigsalbe auf den Schwanz zu schmieren?

Lindner: Den Aspekt habe ich recherchiert! Das wurde tatsächlich im Mittelalter so gemacht. Ich sage mal so: Eine klebrige Angelegenheit, aber, sorry, schmecken tut er so natürlich besser. (lacht laut)

Wie recherchierst du ein solches Thema denn?

Lindner: Kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ich bin vom Begriff „Quacksalber“ ausgegangen und habe so lange dazu gelesen und Dokus angeschaut, bis ich genug Material hatte. Der tragische Aspekt an der Sache ist der, dass sich damals nur die Wohlhabenden richtige Mediziner leisten konnten. Der Pöbel musste mit den Beutelschneidern vorlieb nehmen, die trotzdem noch viel Geld für wirkungslosen Mist genommen haben. So viel hat sich also gar nicht verändert.

Eure Rockfolklieder spielen inhaltlich meistens im Mittelalter. Wieviel historisches Interesse bringst du als Texter mit?

Lindner: Eine Menge. Geschichtliches habe ich schon vor Schandmaul geliebt. Für mich hat jede Epoche ihren Reiz.

In „Das Gerücht“ geht es um Denunzianten und Unsinn-Erzähler. Fake News hat es wohl auch schon vor tausend Jahren gegeben.

Lindner: Logisch. Die Lüge ist halt schöner als die Wahrheit.

„Der Flug“ beschreibt immerhin einen Moment des Triumphs, oder?

Lindner: Jein. Es geht in dem Lied um Elmar von Malmesbury, einen Mönch, der um das Jahr 1000 herum der erste dokumentierte Mensch ist, der versucht hat, mit einem Fluggerät abzuheben. Er kam hundert Meter weit und ist dann stumpf in den Boden eingeschlagen. Mit zwei gebrochenen Beinen ist er noch ziemlich gut aus der Sache rausgekommen.

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