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Dopesick: Schmerzen oder Drogen – Dramaserie mit Michael Keaton und Rosario Dawson

„Es ist Zeit, dass wir das Wesen des Schmerzes neu definieren“, sagt Richard Sackler (Michael Stuhlbarg) und schaut dabei so verkniffen, als würde er selbst unter unterträglichen Zahnschmerzen leiden. Gerade ist er dabei, den anderen Mitgliedern des Familienunternemens Sackler, Purdue Pharma, ein opioides Schmerzmittel als neue große Einkommensquelle anzupreisen. Richars Sackler setzt sich Mitte der 1980er Jahre durch, und zehn Jahre später kommt das neue Schmerzmittel auf den Markt, angepriesen als nicht abhängig machendes Opioid. Die Serie Dopesick mit Michael Keaton als Arzt Samuel Finnix in einer kleinen Bergarbeiterstadt sowie Rosario Dawson als DEA-Agentin Bridget Meyer handelt von den fatalen Folgen bei der Einnahme dieses Schmerzmittels. Auch die Verkaufsstrategie des Unternehmens Sackler, der Kampf der Drogenbehörde DEA sowie der Bundesstaatsanwaltschaft kommen nicht zu kurz: Die Serie liefert ein gesamtgesellschaftliches Tableau, um den Skandal greifbar zu machen. Dopesick wird ab sofort auf dem Erwachsenenkanal Star von Disney+ zum Streamen bereitgestellt.

Und Dopesick ist spannend. Anders als etwa Michael Manns Kinofilm „The Insider“ über die Lügen und Tricksereien der US-Tabakindustrie lässt sich die Serie Zeit, um die Zeitebenen zwischen den 1980ern bis weit in die 2000er nach Bedarf zu wechseln und mit viel Zeit für Einzelpersonen – vornehmlich aus der weißen Unterklasse zum Beispiel in dem Bergarbeiterstädtchen in Virginia – aufzuzeigen, wie das Abgleiten in die Abhängigkeit funktioniert. Aber auch die Arbeit der Staatsanwaltschaft wird im Detail gezeigt, wie sie gegen einen großen Konzern wie gegen Windmühlen ankämpft.

Und der Konzern – Sackler investiert seit Jahrzehnten in Universitäten und Kunsthäuser vom Guggenheim Museum bis hin zum Louvre (in beiden Häusern hat der Konzern eigene Abteilungen) – wendet alle Fakten so, dass sie für sein Medikament sprechen. Als die Dosierung eine volle Schmerzlinderung nicht über die notwendigen 12 Stunden erreicht, definieren die Bosse einfach den von der Wissenschaft benutzten Begriff des Durchbruchsschmerzes bei zu geringer Dosierung um und empfehlen die Verdoppelung der Dosis.

Die Serie Dopesick wurde auf Basis des gleichnamigen Sachbuchs von Beth Macy gedreht, die Personen der Staatsanwaltschaft wie auch des Konzerns der Sacklers gab und gibt es wirklich, lediglich einige Figuren im Leben da draußen, wo das Schmerzmittel OxyContin verabreicht wurde und zur Abhängigkeit führte, sind fiktional. Dopesick geht an die Nieren, weil die Serie zeigt, wie eine einfache Landbevölkerung, deren Lebensinhalt aus Gottesfürchtigkeit und Leistungsbereitschaft im Job besteht (und hier vielleicht auch ein bisschen US-typisch idealisiert ist), eiskalt in die Drogensucht getrieben wird. In vielen US-Bundesstaaten sind deshalb seit wenigen Jahren erneut Klagen gegen den Konzern anhängig. jw

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