Sharleen Spiteri

Sharleen, euer neues Album „Red Book“ klingt weitaus entspannter als „Careful what you wish for“ vor drei Jahren. Was ist passiert?

Als Band entwickelt man sich eben ständig weiter, jedes Album spiegelt auch die Lebensphase wieder, in der man sich befindet. Vor drei Jahren war ich schwanger als wir das Album aufnahmen, heute bin ich Mutter. Härtere Klänge sind im Moment einfach nicht drin, weil ich durch meine Tochter Misty Kyd meine emotionale Seite mehr als früher auslebe. Ich denke, das hört man dem Album an.

Wie passt das zusammen: Rockstar zu sein und gleichzeitig Mutter?

Sehr gut, sogar besser als bei vielen anderen Müttern. Durch meinen Job bin ich sehr privilegiert und kann selbst entscheiden, wann ich Misty mitnehme und wann es besser für sie ist, zuhause bei der Nanny zu bleiben. Sie ist mein Ein und Alles, und ich kann mich nur schwer an das Leben erinnern, das ich vor ihrer Geburt geführt habe. Ich versuche, eine gewisse Normalität in ihr Leben zu bringen, indem ich einkaufe und ihr das Mittagessen mache.

Was ist das Beste daran?

Das man lernt, über die dämlichen Dinge im Leben zu lachen, die einem so passieren. Früher habe ich mich schon über Kleinigkeiten aufgeregt, heute lache ich darüber. Wenn man ein Kind hat, relativiert sich so vieles im Leben. Und wenn man sich einmal den Spaß macht, einige Situationen aus der Sicht einer Dreijährigen zu sehen, merkt man schnell, wie viele Dinge im Leben wirklich absurd und unwichtig sind.

Was machst du, wenn du mit Misty zusammen bist?

Wir spielen Tiger. Misty ist der Babytiger, und ich bin der Mamatiger, dann rollen wir uns stundenlang über den Teppich und knutschen uns dabei gegenseitig ab. Neulich lief „Hello Dolly“ im Fernsehen, den haben wir uns zusammen angeschaut. Solche innigen Momente mit ihr liebe ich.

Möchtest du noch mehr Kinder?

Darüber denke ich nicht nach. Unser Album ist vor kurzem erschienen, wir gehen auf Tour. Ganz ausschließen möchte ich das nicht, aber jetzt wäre der Zeitpunkt alles andere als günstig. Ohnehin gehen mir die Kommentare aller möglichen Freunde und Bekannte auf die Nerven. Früher haben sie mich gelöchert, wann ich endlich eine Familie gründen will, jetzt fragen alle, wann das zweite Kind kommt. Dabei habe ich immer das Gefühl, ich müste mich für irgendwas rechtfertigen. Ich hasse das.

Hört Misty Ihre Musik?

Ich denke schon, bei einigen Songs wippt sie jedenfalls lässig mit. Im Moment liebt sie Musik, mag vor allem die Gorillaz. Ich muss jeden morgen deren DVD anmachen. Ich achte darauf, dass mein Kind glücklich ist, das hat oberste Priorität. Ist sie es nicht, und ich merke, dass das mit meinem Job zusammenhängt, würde ich sofort meine Karriere zurückstellen. Misty ist das Wichtigste in meinem Leben.

Interview: Stéfan P. Dressel

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