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„Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“: Alkohol, Liebe, Brutalismus

Die Tragikomödie „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ läuft im Kino.
Die Tragikomödie „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ läuft im Kino. (Foto: Zieglerfilm Baden-Baden / X-Verleih_ AG.)

Der Walliser Regisseur Nicolas Steiner lässt Karl Markovics in seinem Spielfilmdebüt „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ in Höchstform spielen. Die Tragikomödie um einen todtraurigen alten Mann läuft im Kino.

Zunächst vorneweg: Dies ist der Film des Karl Markovics. Die Performance des österreichischen Schauspielers („Das Licht“, „Babylon Berlin“) in der Rolle des Alkoholikers Hugo Drowak, der mit dem Leben längst abgeschlossen hat, ist so intensiv gespielt wie schmerzhaft beim Zuschauen. „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ läuft im Kino.

Was ihm Lena (Luna Wedler, „22 Bahnen“), die vom „Amt für Ruhe und Ordnung“ als Schreibtherapeutin zu ihm geschickt wird, an Liebe und Optimismus zukommen lässt, zerstört Hugo noch in der ersten Sekunde. Doch irgendwann erreicht sie ihn und zwingt den alten, todtraurigen Mann, literarisch das zu verarbeiten, was ihn bewegt. Es ist die Vergangenheit. In farbigen Rückblenden – die Gegenwart ist Schwarz-Weiß – sehen wir den jungen Hugo in der Liebe aufgehen und angesichts seiner Gewaltausbrüche scheitern, was ihn zu dem machte, der er jetzt ist. Der Schweizer Regisseur Nicolas Steiner („Dig Deeper: Das Verschwinden von Birgit Meier“ bei Netflix) hat mit seinem Spielfilmdebüt „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“ das Drehbuch der Autorin Bettina Gundermann verfilmt und eine tieftraurige Komödie über ein gescheitertes Leben geschaffen, die aber auch in vielen skurrilen Momenten eine durchbürokratisierte Gesellschaft mit ihren Zwängen dem Individuum gegenüber zeigt und selbst bis in die Nebenrollen (Beispiel: Lars Eidinger) hervorragend besetzt. Vor allem aber die in Farbe gefilmten Rückblenden mit dem von Nikolai Gemel gespielten jungen Hugo in seiner toxischen Liebe zur von Bettina Stucky gespielten Lore schaffen Kontrast und Fallhöhe zur Gegenwart. Die Locationscouts haben ganze Arbeit geleistet mit den Gebäuden im brutalistischen Stil, und Kameramann Markus Nestroy hat eine unglaubliche Poesie in seine Einstellungen gezaubert. Der Film ist gerade auch dadurch ein mehr als nur skurriles Märchen über die Verlorenheit des Menschen in unserer Welt geworden.

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