Smudo

Sie sind gewitzt, wortgewandt und – Popstars. Die Fantastischen Vier haben vorgemacht, wie man auch oder gerade mit deutschsprachigem Hip-Hop zum Mega-Act werden kann. Ihr erstes Longform-Video „Nur für Erwachsenen“ ist nicht etwa ein Bekenntnis zum Analphabetismus, sondern eine Bestandsaufnahme ihrer bisherigen Arbeit. Teils Dokumentation, teils Musikclip liefert der Film wohl vor allem dem Fan erfrischend infantilen Humor und improvisierte Gags aus der Fanta4-Fernsehshow „Die vierte Dimension“. Rapper Smudo stand Rede und Antwort:

K!N: Wie denkst du über den Humorstandort Deutschland?

Smudo: Es gibt in Deutschland nur wenige Leute, die wirklich witzig sind. Humor, der einfach passiert wie zum Beispiel bei amerikanischer stand-up Comedy, ist äußerst selten. Gags werden geschrieben und nicht improvisiert. Aber es gibt Ausnahmen. Ich bin ein großer Verehrer von Harald Schmidt und Feuerstein oder auch von Helge Schneiders Mund- und Inhaltskunst – bitter und zugleich realsatirisch.

K!N: Ihr wart ja eine der ersten deutschsprachigen Hip-Hop-Bands. Wenn du die aktuellen Entwicklungen im deutschen Hip-Hop betrachtest, macht dich das stolz oder eher betroffen?

Smudo: Beides. Ich habe Angst davor, daß schlechter deutscher Hip-Hop eines Tages so populär wird, daß die Leute dessen nicht einmal mehr überdrüssig werden. Außerdem greift Pathos in den deutschen Charts um sich. Selbst komplexe Themen wie Drogen werden in einen einfachen schwarz-weiß-Märchenkontext verpackt und zum bequemen Gefühlskonsum aufbereitet. Aber Projekte wie „Freundeskreis“ geben mir Hoffnung.

K!N: Inwiefern hattet ihr eine Vorreiterrolle?

Smudo: Wahrscheinlich waren wir durch Zufall nur die erste deutsche Hip-Hop-Formation, die gleich beim Major-Label unterschrieben hat und somit Bauanleitung für diverse andere deutsche signings. Außerdem haben wir, denke ich, auch gezeigt, daß die Kombination deutsche Texte und Musik, die zum Teil sehr mainstreammäßig ist, nichts Schlechtes sein muß.

K!N: Thomas D. wandelt auf Solo-Pfaden. Hängt bei den Fanta4 der Haussegen schief?

Smudo: Überhaupt nicht. Wir lieben einander doch. Andernfalls dürfte Thomas so etwas gar nicht machen, dann hätte er schön zu Hause zu bleiben. Darüberhinaus gilt bei den Fanties genauso wie im Mafiosi-Clan: „Du kannst die Familie nicht verlassen…“

(wd)

Nichts verpassen! Einfach unseren Newsletter abonnieren! Anmelden