Vision mit Lasse Nehren

„V2.0“ von GoGo Penguin ist wie … die gemeinsame Bezwingung einer Felswand

Eben noch: Ruhepuls. Vor Augen die Felswand, mächtig und still, aufragend vor eisblauem Himmel. Beim Anseilen verdichten sich die Sinneseindrücke, die Konzentration steigt, das Ensemble ist verbunden in kollektivem Tatendrang. Ein Bass, ein Schlagzeug, ein Piano, die sich auf einander verlassen und wissen: zu Recht. Wer Jazz öde findet, war noch nie mit GoGo Penguin klettern. Die ersten Meter sind bezwungen, jeder Fehler ist ab jetzt potenziell fatal, jede Unachtsamkeit folgenschwer. Es rauscht das Blut im Kopf, es werden wortlos Blicke getauscht, erhöht konzentriert, adrenalingrinsend. Eine Grundspannung stets anwesend, stellt sich allmählich das Gefühl geöffneter Räume ein. In gemäßigtem Tempo arbeitet man sich voran, nimmt sich Zeit, Ruhe zu atmen, das instrumentale Miteinander wirkt vertraut, niemand würde hier improvisieren auf Kosten der anderen. Dies ist nicht die Zeit für Egotrips, man sichert sich gegenseitig ab, ist Fangnetz schon im Geiste der anderen. Ein gelöster Stein rauscht vorbei, eine Bö packt das Szenario – am Hang ist kein Rückzugsraum. Und plötzlich, endlich und doch zu früh, ist da das letzte Stück Wand, das letzte Stück. Ein letztes gemeinsames Aufbrausen, ein dreigeteiltes Crescendo zärtlicher Aufregung. Den Blick schweifen lassend, die Füße auf festem Grund, bleibt nichts als innerer Frieden. Jede Sekunde der Reise war nötig – und doch bleiben als Höhepunkte die ersten („Murmuration“) und die letzten Meter („Hopopono“) am deutlichsten in Erinnerung.

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