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Steve Earle

Steve Earle kennt die Höhen und Tiefen des Lebens. Mit seiner Gibson-Gitarre feierte er in der lokalen Blues- und Country-Szene von Dallas erste Erfolge. In den 80er Jahren ersang sich der Amerikaner weltweiten Ruhm – bis er heroinsüchtig wurde. Nach einem Entzug veröffentlicht der 45-Jährige nun seinen 15. Longplayer – und ist wieder fit genug für eine Tour.

city.mag: Mit „Transcendental Blues“ hast du einen Albumtitel gewählt, der mich überrascht hat. Schließlich wolltest du früher Transzendenz um jeden Preis vermeiden …

Steve Earle: Stimmt. Ich habe mich nur auf die negativen Dinge konzentriert. Meine Ex-Frauen kotzten mich an. Ich hasste die Todesstrafe, den Straßenverkehr und Oasis. Heute habe ich dagegen gelernt, mich auch mit unerfreulichen Sachen zu arrangieren.

city.mag: Transzendenz ist für dich gleichbedeutend mit Veränderungen?

Earle: Exakt. Vor fünf Jahren habe ich endlich kapiert, dass ich früher oder später an einer Überdosis krepieren würde. Nach meinem Entzug bin ich endlich zur Ruhe gekommen: Ich fische, züchte Bonsai-Bäume und gehe spazieren.

city.mag: Den unruhigen Geist, den du in „Steve’s Last Ramble“ beschreibst, gibt es also nicht mehr?

Earle: Nein. Früher wäre ich nach einer Tournee am liebsten nie wieder nach Hause gekommen. Heute genieße ich es dagegen, dort zu sein. Mit meiner Freundin und ihren beiden Kindern führe ich ein glückliches Familienleben.

city.mag: Warst du deinen beiden eigenen Söhnen vor zehn Jahren ein guter Vater?

Earle: Ich habe damals viele Fehler gemacht. Meine Söhne hatten einen heroinabhängigen Vater, der fast nie zu Hause war. Auch heute läuft nicht alles optimal. Meine Freundin hat mich kürzlich mit meinem 17-jährigen Sohn bei einer Familienfeier beobachtet. Hinterher sagte sie zu mir: „Du verlierst Justin, weil du ihm nicht richtig zuhörst.“ Jetzt will ich mich bessern.

city.mag: Bist du selbst der gefühlskalte Mann, den du in einem Song beschreibst?

Earle: Eigentlich sollte dieses Stück ein Märchen werden. Als ich es dann zu Papier gebracht hatte, habe ich erst festgestellt, was mir mein Unterbewusstsein da diktiert hatte: Ich habe mich und alle anderen Männer auf diesem Planeten beschrieben. Wir haben einfach Probleme, unsere Gefühle zu zeigen.

Interview: Dagmar Leischow

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