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Deutsches Schauspielhaus: Studio Braun rockt die Bühne mit „Coolhaze“

Studio Braun: Coolhaze
Foto: Dorle Bahlburg

… und das wird eine ganz wilde Nummer(-nrevue)! Charly Hübner ist mit dabei und ganz viele spinnerte Ideen. Kleists „Michael Kohlhaas“ zu kennen schadet übrigens nicht.

Studio Braun sind wieder da! Das Performance-Künstler-Kollektiv, bestehend aus Heinz Strunk (Foto mitte, Romanhit „Fleisch ist mein Gemüse“), Musiker Jacques Palminger (Foto rechts) und Musiker und Schriftsteller Rocko Schamoni (Foto links, Buch „So was von da“), bringt am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg seine neuestes Stück „Coolhaze“ zur Aufführung. Premiere der wilden Theaterrevue ist am 4. Dezember. Weitere Aufführungen sind am 9. und 31. Dezember sowie am 7. und 9. Januar 2022. Karten gibt es hier.

Studio Braun: Kohlhaas zu Coolhaze

Die Novelle „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist ist das Stück deutscher Literatur, wenn es um die Auflehnung des  Individuums gegen einen repressiven Staat geht. Der titelgebende Pferdehändler, der gegen das an ihm begangene Unrecht erst juristisch, dann mit Gewalt und Selbstjustiz vorgeht, ist keinesfalls der Prototyp des Wutbürgers oder Querdenkers. Kohlhaas steht ganz im Gegenteil für den bürgerlichen Menschen, der im Angesicht eines willkürlichen und totalitären Systems Moral, Recht, Freiheit und soziale Gerechtigkeit fordert. Bei Studio Braun wird aus diesem bierernsten Thema, für das vor ein paar Jahren erst der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen in einer Kinoadaption sein monolithisches Antlitz in karge, karstige Landschaften hielt, natürlich etwas ganz, ganz Anderes. Ganz Anderes. Ganz. Anderes. Zum einen wird aus „Kohlhaas“ der englische „Coolhaze“. Zum anderen müssen wir hier den Originaltext des Schauspielhauses wiedergeben, um der durchgeknallten Idee des Stückes gerecht zu werden:

„Heinrich von Kleists Geschichte des Michael Kohlhaas, dem Rosshändler aus Brandenburg, dem widerrechtlich zwei Pferde erst gepfändet und dann zerschunden, dem der Knecht halb und die Frau ganz totgeschlagen werden und der vom ehrbaren Kaufmann zum rachsüchtigen Wutbürger mutiert, ist die perfekte Grundlage für ein größenwahnsinniges Filmprojekt. Dem selbsternannten Regiegenie Florian von Richthofen schwebt dabei ein Action-Musical mit erotischen Horrorszenen vor, ein politisch brisantes Fantasy-Abenteuer, Blockbuster und Avantgardefilm zugleich – nicht weniger als der ultimative Genre-Mix 2020. Aus Brandenburg wird New York City, aus Pferden Motorräder, aus Kohlhaas: Coolhaze. Als dieser zwei Bikes nach New Jersey überführen will, werden sie vom korrupten Cop Coby Burner konfisziert. Binnen kürzester Zeit führt der Rechtsstreit zu einem gnadenlosen Feldzug auf den Straßen New Yorks. Am Filmset werden keine Kosten und Mühen gescheut. Eine Jazz-Bigband peitscht im Stil der großen Actionfilm-Soundtracks die Handlung voran. Für die Hauptrolle konnte von Richthofen den beliebten Kinostar Charly Hübner gewinnen. Gedreht wird mit aufwendigster Technik und von Richthofen versucht die Beteiligten zu Höchstleistungen zu treiben. Doch die Atmosphäre am Set ist vergiftet. Die Frage ist nicht, ob es zum Showdown kommt, sondern wann. Und wo. Und zwischen wem. Und wem noch. Und wie oft.“

Was soll man noch sagen? Außer, dass der Charles-Bronson-Selbstjustiz-Thriller „Ein Mann sieht rot“ auch eine große Rolle spielt. In Anlehnung an „Coolhaze“, Studio-Braun-Englisch für „Kohlhaas“, sagen wir: Das wird ein openfalling (kulturnews-Englisch für „auffallend“) aufregender Abend!

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