„Athena“: Sudan Archives veröffentlicht Debütalbum
Göttin mit Geige: Die 25-jährige Musikerin Brittney Denise Parks erfindet das altehrwürdige Instrument komplett neu. Sudan Archives im Interview.

Nach den EPs „Sudan Archives“ und „Sink“ veröffentlicht Sudan Archives jetzt ihr Debütalbum „Athena“, das am 1. November erscheint. Im Interview spricht die in Ohio aufgewachsene und jetzt in L.A. lebende Musikerin über die Hintergründe ihres unkonventionellen Geigenspiels.
Brittney, hast du die Geige von Anfang an so eigen und unkonventionell gespielt?
Brittney Denise Parks: Meine Eltern konnten keinen Unterricht bezahlen, und da ich anfangs keine Noten lesen konnte, musste ich nach Gehör spielen und eigene Griff- und Zupftechniken finden. Im Kirchen-Orchester galt ich als unzähmbar.
Dein Künstlerinnenname Sudan Archives schlägt den Bogen zur afrikanischen Musik, wo die Geige nicht im klassischen Sinne, sondern vor allem als Rhythmusinstrument verwendet wird.
Parks: Meine Mutter hat mir diesen Spitznamen gegeben, und er war für mich der Auslöser, dass ich mich mit westafrikanischer Musiktradition beschäftigt habe. Ich wollte ja Rhythmen und Melodien mit der Geige reproduzieren und dann Beats integrieren.
Dein religiöses Elternhaus hast du hinter dir gelassen, weil dein späterer Stiefvater Derrick Ladd dich zusammen mit deiner Zwillingsschwester in eine Pop-Rap-Gruppe stecken wollte, oder?
Parks: Als Mitbegründer von LaFace Records hat er mit Leuten wie Babyface und TLC gearbeitet. Er hat uns mit irgendwelchen Produzenten zusammengebracht und konnte nicht verstehen, dass Musik für mich eine Herzensangelegenheit ist und ich meinen eigenen Sound finden wollte. Ich habe rebelliert, indem ich heimlich in die Klubs von Cincinnati gegangen bin, und schließlich bin ich ganz allein nach L.A. gezogen, um unabhängig zu sein.
Mit „Athena“ benennst du dein zwischen R’n’B und sudanesischem Folk pendelndes Debüt jetzt nach der Göttin der Weisheit, des Kampfes, der Kunst und des Handwerks.
Parks: Die westliche Welt bezieht sich ja gern auf die griechische Mythologie. Ich wollte unbedingt als Skulptur auf dem Cover abgebildet sein: als black woman mit einer Geige – ein Instrument, das ansonsten ja vor allem die weiße Hochkultur abbildet und repräsentiert. In diesem Bild laufen für mich ganz viele Bedeutungsebenen zusammen.
Interview: Marc Mühlenbrock
Am 1. November erscheint „Athena“, das Debütalbum von Sudan Archives. Anschließend daran spielt sie einige Konzerte.
Konzertdaten:
12. 11. Berlin
13. 11. Köln
14. 11. München
Tickets gibt es bei Eventim.
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