Terry Callier

18 Jahre kein Studioalbum, dann gleich zwei zwischen 1998 und 1999. Terry Callier, Teilzeit-Programmierer und Vater, feiert ein umjubeltes Comeback. Vor seinem Auftritt im Mojo Club am 18.10 bat die kultur!news den ältesten Shootingstar der letzten Zeit zum Gespräch.

kultur!news: Terry, Anfang der 80er Jahre sind Sie aus dem Musikbusiness ausgestiegen, um einen festen Job anzunehmen. Weil Sie nie den großen Durchbruch geschafft hatten?

Terry Callier: Mir war klar, daß sich daran nichts ändern würde, wenn ich nichts an meiner Einstellung zur Musik ändern würde. Und das wollte ich nicht. Gleichzeitig zog meine 12jährige Tochter zu mir, und ich verdiente mit der Musik nicht genug, um uns beide zu finanzieren. Also zogen wir beide zu meiner Mutter, und ich sattelte auf Programmierer um. Das eröffnete mir ein ganz neues Gefühl: Ich war in der Lage, einem Job nachzugehen, ein Kind großzuziehen, meinen Miete zu bezahlen. Das war unglaublich, damit war ich glücklich Ich hatte gar nicht vor, wieder ein Album aufzunehmen. Bis 1990 ein Typ von Acid Jazz Records anrief, und, na ja, da bin ich nun wieder.

k!n: Hat diese lange Abstinenz nicht folgerichtig dazu geführt, daß Sie ein paar Dinge verlernt haben?

Callier: Als ich nach so langer Zeit wieder ein Studio betrat, war ich erfüllt von einer Mischung aus Euphorie und Angst. Die erste Hürde war, daß alle unterschiedliche Meinungen darüber hatten, wie ich es angehen sollte. Manche meinten, ich sollte besser nur alte Sachen einspielen. Andere fanden, es wäre besser, nur neue Songs aufzunehmen. Ich hingegen, hatte das Problem, daß ich echte Schwierigkeiten hatte, wieder in den Prozeß des konzentrierten Komponierens reinzukommen. Ich mußte mein Gefühl für das Instrument wiederfinden, mich hinsetzen, und es wieder lernen. Ich hatte nie aufgehört, zu spielen, aber es war für lange Zeit nicht der Mittelpunkt meines Lebens. Dieser musikalische Automatismus war weg. Mein Gitarrenkoffer war total eingestaubt. Nach zwei Platten in drei Jahren weiß ich aber nun sogar, wie es ist, die Erziehung meiner Tochter und die Miete bezahlen zu können, mit dem zu bezahlen, was ich liebe: Musik.

k!n: Also keine Reue, das Berufsleben wieder aufgegeben zu haben?

Callier: Wie Yoda in „Das Imperium schlägt zurück“ gesagt hat: Tu es. Oder tu es nicht. Aber versuche es nicht nur. Also mußte ich es tun.

Interview: Volker Sievert

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