The Auteurs

Der Zyniker unter Englands Songwritern schlägt wieder zu: Doch mit dem neuen Album „How I learned to love the Bootboys“ (Virgin) läßt Luke Haines die Zügel des Bitterkeit schleifen und läßt stellenweise lieblichen Pop zu. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

CITY.mag: Luke, von dir ist man sarkastische Kommentare zum Zustand der westlichen Zivilisation gewöhnt. Und jetzt kommst du uns mit Kindheitserinnerungen?

Luke Haines: Es mußte schließlich sein. Ich wollte ein Popalbum machen, das so ehrlich wie möglich war, und dazu gehörte, Geschichten zu erzählen, die wirklich passiert sind. Wie es im Stück „1967“ heißt, hatten meine Eltern tatsächlich keine Pop-Platten, nur Schlager.

CITY.mag: Hätten sie sich denn Johnny & The Hurricanes gekauft, die du in einem Stück besingst?

Haines: Ganz sicher nicht. Überhaupt: Als ich den Song geschrieben habe, wußte ich überhaupt nicht, daß es die Band wirklich gegeben hat. Ich hielt den Namen für erfunden. Und ich habe auch keinen Wert darauf gelegt zu recherchieren. Es ist eher so: Wenn ich eine Songidee habe, bringe ich sie allein zuende. Ich möchte gar nichts über das Thema herausfinden; ich denke, die Songs funktionieren besser so.

CITY.mag: Du gehörst zu den wenigen Popmusikern, die nicht behaupten, auf der Bühne zu stehen, sei doch das einzig Wahre. Und nun kommst Du doch auf Tour …

Haines: Das kann bei mir nur so funktionieren, daß jemand das organisiert und mir sagt, dann habe ich da und dort zu sein. Was ist am Touren nicht mag: wenn es zur Gewohnheit verkommt. Ich habe dann immer das Bild von lauter kleinen Tourbussen im Kopf, die gleichzeitig kreuz und quer durch Europa düsen, und dann kommt mir diese Aktivität sehr sinnlos vor und ich möchte garantiert kein Teil davon sein.

CITY.mag: Schwingt da nicht auch ein wenig Snobismus mit?

Haines: Das ist das Problem mit meiner Einstellung. Aus irgendeinem Grunde wurde ich geboren mit dieser festen Vorstellung, daß es mein gottgegebenes Recht ist zu tun, was immer ich für richtig halte.

CITY.mag: Ich könnte mir vorstellen, daß man mit der Haltung schnell ziemlich einsam wird …

Haines: Nein, nein, ich kann mich sehr gut integrieren. Ich bin ja nun kein Wahnsinniger, der mit einer Knarre rumläuft und abknallt, wer ihm nicht paßt. Das wäre mehr der amerikanische Weg … Ich ziehe gewalttätige Bilder in Songtexten wirklicher Gewalt vor.

Interview: Rolf von der Reith

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