FILM

The Look of Silence

Der antikommunistische Genozid in Indonesien, bei dem die Armee und paramilitärische Einheiten 1965/66 schätzungsweise eine halbe Million Menschen umbrachten, ist ein wenig bekanntes Schreckenskapitel jüngerer Geschichte. Deshalb hat der Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer bereits zwei Filme darüber gedreht. In „The Act of Killing“ (2012) ließ er die Täter, von denen viele bis heute herrschen und für ihre Verbrechen als Helden gefeiert werden, ihre Morde nachspielen – was diese stolzerfüllt für bizarre Selbstinszenierungen nutzten. „The Look of Silence“ widmet sich nun den Opfern und ihren Angehörigen, die mit den Mördern teils Tür an Tür wohnen.

„Wenn man die Vergangenheit nicht ruhen lässt, passiert sie wieder“, droht einmal ein Politiker, der als Befehlshaber selbst an den Massakern beteiligt war. Die Vergangenheit greift nahtlos in die Gegenwart, noch immer bangen viele Bürger, die damals zu Unrecht des Putschversuchs beschuldigt wurden, um ihr Leben. Auch der fahrende Optiker Adi muss tagtäglich mit den Erinnerungen an die Massenmorde leben, denen auch sein älterer Bruder zum Opfer fiel. Vor Oppenheimers Kamera konfrontiert er die Drahtzieher und Mördern mit ihren Taten, erntet dafür zumeist verständnislose bis aggressive Reaktionen. „The Look of Silence“ ist erneut ein schockierendes Dokument menschlicher Grausamkeit, dessen Brisanz auch ganz zum Schluss noch mal allzu deutlich wird, wenn fast alle Namen im Abspann „Anonymous“ lauten – selbst die Mitwirkung an einem Film stellt in diesem Fall eine Gefahr für die eigene Sicherheit dar. Ab 28. 1. ist die 2016 für den Oscar nominierte Dokumentation auf DVD und Blu-ray erhältlich. (sb)

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