„The Square“ beim WDR: Ist das Kunst, oder kann das weg?

Ein Museumskurator kämpft mit den Tücken des Lebens als Museumskurator und dem Unterschied zwischen seine Absichten und den Wirkungen seiner Handlungen.
Heute beim WDR und bis 3. April in der ARD-Mediathek zu finden: Ruben Östlunds Kunst- und Gesellschaftssatire „The Square“, die 2017 die Goldene Palme beim Filmfest von Cannes gewann.
Wenn man einer Bettlerin etwas zu essen kauft, darf sie dann wählerisch sein, oder muss sie aus Dankbarkeit nehmen, was sie kriegt? Wenn ein Mann zwanglosen Sex mit einer fremden Frau hat, muss er sich dann hinterher von ihr als Frauengebraucher bezeichnen lassen, obwohl sie es genau so wollte wie er? Und darf man einen an Tourette leidenden, Unflätiges brüllenden Menschen aus einer Veranstaltung entfernen, weil sie so nicht durchzuführen ist, oder ist das dann intolerant? Ja, mit solchen komplexen Fragen konfrontiert uns Ruben Östlund. Der Schwede ist der große Soziologe des modernen Kinos.
In „Play (2011) zwang er uns, über unsere Vorurteile und unseren Rassismus nachzudenken, „Höhere Gewalt (2014) brachte männliches Selbstverständnis und Familienstrukturen an den Rand des Kollaps. Als eine Art soziales Experiment hebt Östlund nun das Leben des Kunstkurators Christian (Claes Bang) aus den Angeln – und setzt es an allen Ecken und Kanten schief wieder ein. Christian wird beklaut und greift zur Selbstjustiz per Wurfzettel. Christian lässt die Installation „The Square“ von Social-Media-Hipstern vermarkten, was einen Skandal auslöst. Christian versucht, ein guter und normaler Mensch zu sein, scheitert aber am Widerspruch zwischen seinen Absichten und seinen Handlungen. In einzelnen, teils nur für sich stehenden, thesenhaften Vignetten umreißt Östlund verschiedene Dilemma unseres bürgerlichen Lebens, mal als treffliche Persiflage des Kunstbetriebs, mal als Lehrfilm über unsere Selbstgerechtigkeit, mal als absurde Komödie.