FILM

The Tribe

„The Tribe“ ist der wohl radikalste Film des Jahres: Nicht nur, dass er den furchtbaren Alltag in einem Heim zeigt, in dem neuankommende Jungs von der herrschenden Gang erniedrigt und geprügelt werden und Mädchen als Prostituierte anschaffen gehen, unter der Supervision eines Lehrers. Das düstere ukrainische Drama kommt auch noch komplett ohne Worte oder Untertitel aus – es spielt nämlich in einem Gehörloseninternat. 137 Minuten schaut man zu, wie der junge Sergey versucht, seinen Platz in dieser atavistischen Mikrogesellschaft zu finden, sich in eine der Teenieprostituierten verliebt und schließlich versucht, sich gegen ihre Zuhälter, seine Mitschüler, durchzusetzen. Obwohl kein Wort fällt, nichts erklärt wird, versteht man doch alles, das Kino beweist hier seine universelle Sprache auf eindrucksvolle, nie zuvor gesehene Weise.

„The Tribe“ von Miroslav Slaboshpitsky ist kontrovers und auf seine Wesie auch reißerisch. Aber auf einen formal mutigeren, einmaligeren, in dem Sinne cineastischeren Film wird man lange warten müssen. (vs)

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