MUSIK

The Wallflowers: Der Pferdeflüsterer

Jakob Dylan veröffentlicht mit The Wallflowers das neue Album „Exit Wounds“
Foto: Yasmin Than

Jakob, mit The Wallflowers stehst du einer Band mit wechselnden Gastmusikern vor. Doch seit dem letzten Album sind neun Jahre vergangen, und du warst in dieser Zeit in führender Rolle an der Dokumentation „Echo in the Canyon“ beteiligt. Um 1965 herum haben Musiker*innen wie The Byrds, die Beach Boys und Buffalo Springfield die Musikszene rund um den Laurel Canyon in Los Angeles geprägt. Wärst du gern dabei gewesen?

Jakob Dylan: Ich habe das Glück, einige der Künstler*innen von damals persönlich zu kennen. Der Epoche und dem Genre bin ich sehr verbunden. Ich glaube, wäre ich Mitte der 60er-Jahre ein Teenager gewesen, hätte ich ganz bestimmt eine Rock’n’Roll-Band gegründet. Aber das habe ich ja auch so hinbekommen.

Du bist Jahrgang 1969, hast vier Söhne, der älteste ist bereits 27. Führen sie die Familientradition fort?

Dylan: Die Jungs machen alle Musik, aber mit unterschiedlicher Intensität. Für sie alle ist es jedoch nur ein Hobby. In einen Tourbus scheint mir keiner von ihnen klettern zu wollen.

Vor einigen Jahren hat dich die American Diabetes Association zum „Vater des Jahres“ gekürt. Womit hast du das verdient?

Dylan: (lacht) Seitdem gibt es bei uns zu Hause keine Diskussionen mehr. Ich bin der Vater des Jahres, und somit habe ich immer Recht. Keine Ahnung, irgendjemand muss diese Auszeichnung einfach jedes Jahr bekommen. Meine Jungs und ich, wir verstehen uns prächtig. Die Kids hatten eine gute Erziehung und führen jetzt ein gutes Leben. Auch wenn sie längst auf eigenen Beinen stehen, kommen sie immer wieder gern ihre Eltern besuchen. Meine Frau und ich haben es hinbekommen, dass unsere Kinder anständige Leute geworden sind.

Hätte dein Vater Bob Dylan auch so eine Auszeichnung verdient?

Dylan: Im Ernst – ich denke, jeder Vater verdient eine solche Anerkennung. Ein Zuckerschlecken ist es nämlich nicht, Kinder großzuziehen.

Du warst 20, als du mit The Wallflowers begonnen hast. Sechs Jahre später, im Jahr 1996, ist dann das Megaalbum „Bringing down the Horse“ rausgekommem. Was fasziniert dich nach all den Jahren am Songschreiben?

Dylan: Es macht mich glücklich, wenn ich merke, dass ein Song Qualität hat. Er muss mich bewegen, und meist geschieht das durch die Melodie. Man darf sich das nur nicht so vorstellen, als würde mich pausenlos die Muse küssen. Manchmal habe ich lange kreative Dürrezeiten. Aber ich will mir weder einen anderen Job suchen noch Jahr für Jahr irgendwo mit unserem Erfolgsalbum touren. Also strecke ich mich und warte auf die geilen Ideen.

Also etwa auf den Song „The Dive Bar in my Heart“. Trägst du eine Absturzkneipe in deinem Herzen?

Dylan: Ich gehe tatsächlich gern in Kneipen, um dort meine Ruhe zu haben. Am Tresen zu sitzen – allein und unangesprochen – kann eine Wohltat sein. Jeder Mensch braucht einen Ort, wo er mit sich und dem Inhalt seines Glases allein sein kann. Du musst aber nicht zwingend Bier trinken. Auch eine schöne Bibliothek kann ein solcher Ort sein.

Was ist das eigentlich mit den Pferden, Jakob? Auf der neuen Platte erwähnst du diese Tiere in drei verschiedenen Songs.

Dylan: Echt? O Mann, das war mir nicht bewusst. In der Tat schätze ich Pferde sehr und bin des Reitens leidlich fähig. Sie sind wild und majestätisch. Vielleicht habe ich aber auch einfach zu viel Patti Smith gehört.

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