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Thomas Pynchon: Bleeding Edge

Wenn zwei entführte Flugzeuge in die beiden höchsten Türme New Yorks krachen und diese Stadt der Städte in Ach und Weh und die Welt in ihren Fragezeichen versinkt, rast Thomas Pynchons neuer Wurf „Bleeding Edge“, der nun auf Deutsch vorliegt, bereits seinem Ende entgegen. Die Heldin Maxine Tarnow hat sich dann schon 400 Seiten lang mit unheilversprechenden Geldüberweisungen herumgeschlagen, mit fiesen Betrügern, extravaganten Sexualpraktiken, skrupellosen CIA-Männern, professionellen Ermittlungsriechern, ihrer ambivalenten Beziehung zu ihrem Exmann und vor allem mit einem Haufen Nerds, die sich alle im Deep Web rumtreiben und der geplatzten Dotcom-Blase hinterherschluchzen.

Wer jetzt denkt, das alles löst sich in einer grossen Verschwörungstheorie zum 11. September auf, denkt falsch. Von Auflösung kann bei Pynchon nicht die Rede sein. „Bleeding Edge“ zeigt eine Welt, in der alles zusammenzuhängen scheint, die sich dann aber doch als lose, als nicht deutbar und schon gar nicht als überschaubar erweist. Natürlich amüsiert sich Pynchon ganz wunderbar über dieses postmoderne Chaos, und von allem gibt es viel in diesem Text: Figuren, Handlungsstränge, Themen, Anspielungen, narrative Dead-Ends, Miniplots, (Wort)Witze. Wenn man die Hälfte nicht versteht, macht das gar nichts, zu lachen gibt es immer noch genug. Und wer nicht gern lacht, der kann den Roman auch als spannenden, quasihistorischen Thriller lesen. Wobei, ganz ohne Humor geht es wohl doch nicht. Vielleicht ist das Ganze auch eine Parodie auf den Thriller. Sicher ist: nichts ist sicher in diesem Buch. (jc)

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