MUSIK

Bundeskanzler Bendzko

Tim Bendzko
Tim BendzkoFoto: Johannes Bauer

Tim, deine Plattenfirma schreibt, du hättest „radikal ausgemistet“. Wo genau?

Tim Bendzko: Los ging es tatsächlich in meinem Kleiderschrank. Ich habe alles aussortiert oder verschenkt, was ich nicht anziehe. Ich wollte meinen Besitz so sehr aufs Wesentliche reduzieren, dass ich alles innerhalb von einem Tag für einen Umzug zusammenpacken könnte.

Und danach?

Bendzko: Auch ernährungstechnisch habe ich geguckt, was mir guttut. Nicht ganz so viel Filterkaffee trinken, nicht ständig Fleisch essen. Ich hatte auch eine kurze vegane Phase – jetzt denke ich, dass ich ein gutes Zwischenmaß gefunden habe. Und zu Hause habe ich mir einen kleinen Fitnessraum eingerichtet, da mache ich viel mit dem eigenen Körpergewicht. Planks und Liegestütze. Früher sagte man: Bauch, Beine, Po.

In „Hoch“ singst du: „Auch wenn wir schon weit gekommen sind/ Wir gehen immer weiter hoch hinaus.“ Hört sich an wie eine Sporthymne.

Bendzko: An Sport haben wir beim Schreiben gar nicht gedacht. Für mich ist das ein Motivationssong: Man setzt sich ein Ziel und erreicht es dann auch. Es geht um die letzten Meter, die immer die schwersten sind. Worum es genau nicht geht, ist dieses „höher, schneller, weiter“. Dass man den Berg erklommen hat und sich gleich den nächsten, noch höheren Berg vornimmt. Ich finde es ganz schlimm, mit nichts zufrieden zu sein und sich nicht einfach mal hinsetzen und sich freuen zu können. Ich war vor einigen Monaten in Australien und in Bali. Dort habe ich keinen einzigen gestressten Menschen gesehen.

Du warst in Bali?

Bendzko: Ja, und es war total schön. Ich habe dort zehn Tage lang surfen gelernt. In der Hütte neben mir wohnte der weltberühmte Surfer Kelly Slater, aber der war in ganz anderen Wellen unterwegs als ich. Ich war überrascht, wie schnell ich mich auf diesem Brett zurechtgefunden habe.

Bist du alleine unterwegs auf solchen Reisen?

Bendzko: Unterschiedlich. In Australien war teilweise ein Freund dabei, aber eine Zeit lang war ich auch allein. Ganz alleine morgens um fünf Uhr am Strand zu sitzen und die Sonne aufgehen zu sehen – das ist eine krass spannende Erfahrung.

Worum geht es in „Jetzt bin ich ja hier“?

Bendzko: Um überspitztes Selbstbewusstsein. Um dieses Denken, dass man sich nur gut genug finden muss, und dann kann einem nichts passieren. Trump, Johnson, das sind alles Leute, die offensichtlich vorgeben, mehr zu sein als sie sind.

Was würde Bundeskanzler Bendzko als erstes tun?

Bendzko: Auf deutschen Autobahnen ein Tempolimit einführen. Das würde viele Aggressionen aus unserem Land nehmen.

Dein erster und größter Hit heißt „Nur noch kurz die Welt retten“. Werden Elektro-Autos zur Rettung der Welt beitragen?

Bendzko: Ich selbst fahre seit anderthalb Jahren elektrisch und liebe es. Sie sind zumindest ein Anfang.

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