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Tokyo Tribe

HipHop, Sex, Gewalt: Sion Sonos „Tokyo Tribe“

Eine Räuberpistole: Die Zivilisation ist zusammengebrochen, Gangs haben Tokio untereinander aufgeteilt, die Reste der Polizei sind korrupt, und als eine Gesetzeshüterin tatsächlich noch so etwas wie Idealismus verspürt, dann bekommt sie beigebracht, wie die Dinge hier laufen.

Schon in den ersten zehn Minuten hat der japanische Regie-Eklektiker Sion Sono alles gezeigt, was er zeigen kann, in einer furiosen, theaterhaften Exposition, mit entfesselter, durch die Straßen der Metropole schwebenden Kamera, mit nackter Haut, nicht zuletzt mit dunklem, treibendem HipHop. Überhaupt, HipHop: Der wirkt hier als strukturierendes Element, denn Sono hat nicht wirklich eine Räuberpistole inszeniert, sondern ein Musical, mit allem, was in der japanischen Rapszene Rang und Namen hat. Was eine originelle Idee ist, über rund zwei Stunden aber etwas ermüdet. Expliziter Sex und exzessive Gewalt waren für Sonos Kino immer schon wichtig, die comichafte Überzeichnung aber lässt diesen sonst so stilsicheren Regisseur ein wenig seine eigene Handschrift vergessen. Alles funktioniert nur noch auf der Überbietungsschiene, noch eine irrere Foltermaschine, noch ein wahninnigeres Augenrollen, Vergewaltigung, Kannibalismus, Kampfballett! Die Musicalform steht Sonos Talent ein Stück weit im Weg, gleichzeitig rettet sie „Tokyo Tribe“ aber auch vor der Irrelevanz. Denn wo die Handlung sich immer weiter in Richtung halblustigem Witz verabschiedet, gibt es immer noch diese Beats, diese großartigen, dem Film einen ganz eigenen Sound verleihenden Beats. (fis)

„Tokio Tribe“ ist ab sofort im Handel erhältlich.

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