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Tom Drury: Das stille Land

An einem frostigen, einsamen Nachmittag bricht Pierre beim Schlittschuhlaufen auf einem See irgendwo in Iowa im Eis ein. Zwischen ihm und der schönen Stella Rosmarin, die ihn aus dem Wasser zieht und ihm damit das Leben rettet, entspinnt sich nach und nach eine leidenschaftliche Romanze. Alles läuft gut für Pierre, bis er auf einer Reise nach Kalifornien an den mit allen Wassern gewaschenen Kriminellen Shane Hall gerät und ihm ziemlich viel Geld abnimmt. Die Romanze wird zum Kriminalroman, denn Shane denkt nicht daran, die Sache auf sich beruhen zu lassen. In der Zwischenzeit mehren sich die Anzeichen dafür, dass mit Stella etwas nicht stimmt.

Warum meidet sie seit einiger Zeit ihre Familie und überhaupt die meisten Menschen außer Pierre? Was hat es mit dem seltsamen alten Mann auf sich, der immer wieder in Stellas Nähe auftaucht? Als Shane endlich mit zwei angeheuerten Schlägertypen in Pierres Kleinstadt auftaucht, ist klar, dass beim längst fälligen Duell zwischen den beiden Männern Dinge geschehen werden, die nicht (mehr) von dieser Welt sind. Ehe man sich versieht, liest man also einen Mystery-Thriller. Das ist zwar ganz schön spannend, aber nicht wirklich schlüssig. Es kann brillant sein, wenn sich ein Schriftsteller bei verschiedenen Genres bedient – muss es aber nicht.

Tom Drurys Roman „Das stille Land“ liest sich so, als hätte der Autor sich während des Schreibens ziemlich spontan für seine erzählerischen Richtungswechsel entschieden. Weil er eben Lust dazu hatte. Trotzdem wird die Story von einer ungewöhnlich dichten Atmosphäre, die Drury durch seinen knallharten Realismus kreieren kann, wie magisch zusammengehalten. Fast plastisch steigen seine Figuren, die so beispielhaft wie einzigartig sind, aus den Buchseiten. Als wäre man schon hundert Mal dagewesen, sieht man ihren Treffpunkt, den Jack of Diamonds Club vor sich. Und auch wenn man zeitlebens nie getrampt ist, weiß man dank Pierre, wie es sich anfühlen muss, auf diese Weise durch den mittleren Westen zu reisen. Ein Roman, so amerikanisch im besten Sinne, wie ein Roman eben sein kann.

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