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Tom Gerhardt

Herr Gerhardt, in „Siegfried“ spielen Sie die Nibelungensage nach. Siegfried verlässt Haus und Hof, um das Herz der schönen Kriemhild zu erobern. Wie gehen Sie selbst vor, wenn Sie eine Frau umwerben?

Die Lösung für alle Liebesfragen ist: Du kannst den Menschen, den du liebst, wirklich bekommen, auch wenn er dich noch so abscheulich findet. Du musst nur immer freundlich bleiben und darfst nicht aufgeben. Und am Schluss gibt dann der andere auf. Siegfried wäre heutzutage wahrscheinlich ein Stalker, er dürfte sich der Burg von Kriemhild nur auf 50 Meter nähern. Zum Glück hat es das damals nicht gegeben!

Haben Sie selbst schon einmal so viel Hartnäckigkeit beweisen müssen?

Man muss immer hartnäckig sein in der Liebe.

Welche Opfer würden Sie denn für eine Frau bringen?

Ich würde darauf verzichten, als erster ins Bad zu gehen. Ich würde selbständig die Klopapierrollen austauschen.

Das ist alles?

Nun, ich würde meiner Frau auch erlauben, die Mülltüten nur jeden zweiten Tag nach unten zu bringen.

Schauspielern Sie manchmal in ihrer eigenen Beziehung?

Wenn es darum geht, dass ich bestimmte Tätigkeiten im Hause zu verrichten habe. Dann schauspielere ich manchmal vor, dass ich irgendeinen wichtigen Termin habe.

In der Nibelungensage geht es sehr wüst zu, es gibt Liebesmorde und Gewalttaten. Können Sie diese starken Emotionen nachvollziehen?

Ich bin ja ein total leidenschaftlicher Mensch, das glauben die Leute gar nicht. Man sieht es ja auch beim Hausmeister Krause – also wenn der einen Gefühlsausbruch hinlegt …

Aber wenn Hausmeister Krause einen Gefühlsausbruch hat, dann sieht er eher stupide aus als leidenschaftlich.

Das ist nicht stupide, das ist ein Ausdruck von Freude und Glück! Ich meine, wenn wir glücklich sind – und Siegfried ist ja ein sehr glücklicher Mensch –, dann sehen wir ja alle ein bisschen blöd aus. Wenn man zum ersten Mal verliebt ist, dann schaut man einfach blöde und total glücklich in die Welt. So weggetreten.

Was macht Sie persönlich denn glücklich?

Wenn dieser Film einschlägt, und wir eine Fortsetzung drehen können.

Und darüber hinaus? Liebe?

Liebe, ja. Gutes Essen. Glück ist ja auch immer so eine Sache …

Schauspielern wird eine besondere Anziehungskraft auf Frauen nachgesagt. Wie verhält es sich denn bei ihnen im Vergleich zu, sagen wir, George Clooney?

Ich glaube, dass Hausmeister Krause den George Clooney wegputzt wie nichts. Krause hat seine eigene Ästhetik: der gute alte Honecker-Cordhut, der graue Kittel, die Oberwasserhosen und dieses wunderbar rustikale Schuhwerk. Da ist es doch, was Frauen eigentlich lieben: Beständigkeit. Dass man nicht eine Illusion präsentiert, sondern echt ist. Und wenn nachts irgendwelche Frauen allein im Bett liegen und sich nach heißer, körperlicher Liebe sehnen, dann können sie eigentlich nur einen Gedanken haben: Gib’s mir, Krause!

Interview: Alexander Rolf Meyer