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Mit Asperger-Charme gegen mürrische Pfälzer

„Tonis Welt“ ist ein Spin-off der zu Ende erzählten Vox-Serie „Club der roten Bänder“. In „Tonis Welt“ ziehen Toni (Ivor Kortlan) und Valerie (Amber Bongard) in das Haus der verstorbenen Großmutter Valeries. Der Asperger-Autist und seine Freundin mit dem Tourette-Syndrom müssen aber nicht nur den für den Kauf des Hauses aufgenommenen Kredit bedienen, sondern erst mal vor den Toren Kaiserslauterns in einem kleinen Dorf Anschluss – und vor allem – Jobs finden. Toni geht wie gewohnt den direkten Weg und überfällt einfach Dr. Alfred Schmieta (Armin Rohde) mit dem Ansinnen, als Arzthelfer anzuheuern. Der alte Grummler weiß nicht, mit wem er sich anlegt, als er Toni abblitzen lässt. „Tonis Welt“ wird auf Vox ausgestrahlt, auf TVnow kann man die Serie streamen.

Als Spin-off von „Club der roten Bänder“ tritt die Serie „Tonis Welt“ ein anspruchsvolles Erbe an, wurde die Krankenhausserie doch für ihren unverstellten Blick auf die kranken jungen Menschen gelobt, vor allem aber für das fast vollständige Fehlen der Ärzte innerhalb der Haupthandlung. In „Tonis Welt“ verengt sich der Blick, wie schon der Titel der Serie ankündigt, auf eine Zweierbeziehung vor allem aus der Sicht Tonis. Der liefert auch die für den Kredit notwendige Eigenbeteiligung von 10 000 Euro, indem er seine umfangreiche Eisenbahnsammlung verkauft – eine Leistung des autistischen Nerds, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

„Tonis Welt“ ist geprägt von einer positiven Erzählung einer Zweierbeziehung, man könnte diesen Plot fast schon als Biedermeier bezeichnen. Wäre da nicht die Öffnung des Paares in die Gesellschaft hinein. Und diese Öffnung verlagt kein Verzagtsein, denn der mürrische Pfälzer als solcher, der gerne mal optisch-ästhetisch daherkommt wie der frühe Kurt Beck, ist in seiner zurückweisenden Art nicht zu unterschätzen. Toni sucht sich gleich zu Beginn Dr. Schmieta aus und arbeitet sich an der mürrischen Art des Arztes ab. Armin Rohde gibt dem Landarzt einen wunderbar spröden Charakter, und überhaupt zieht die Dramedy-Serie aus genau diesen Konflikten ihr Humorpotenzial. So wie Toni und Valerie mit den Konflikten und Reibungen mit ihrer Umwelt zunehmend erwachsener werden. „Tonis Welt“ mag mit seinem unbedingten Plädoyer für gelebte Inklusion manchmal zu zuckrig daherkommen, aber Drehbuch und Dialoge kriegen meistens doch die Kurve zur Pointe um der Pointe willen. Und das ist gut so. jw

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