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Trilok Gurtu: „Musik ist wie Gott“

Als der Perkussionist Trilok Gurtu 1977 die indische Popsängerin Asha Bhosle nach New York begleitete, war er schnell mitten drin im Jazzbusiness und spielte an der Seite von Größen wie Charlie Mariano oder Pat Metheny. Sein eigentliches Anliegen, die moderne, indische Musik, vertritt er als Solokünstler, Bandleader und Komponist – auch auf dem Album „African Fantasy“ (Efa), das er jetzt live präsentiert.

city.mag: Herr Gurtu, Sie mögen es nicht besonders, wenn man Sie als Jazzmusiker einordnet, stimmt’s?

Trilok Gurtu: Ja, das stimmt. Man soll für mich keine Schublade aufmachen. Ich bin einfach Trilok Gurtu und mache Musik in der uralten Tradition Indiens, die eine raffinierte, hochkarätige Musikkultur hervorgebracht hat. Ich sehe mich da als Botschafter. Aber ich zeige auch, wie modern und tanzbar indische Musik ist. In Amsterdam habe ich beispielsweise beim Drum & Bass Festival mit The Prodigy oder Portishead gespielt. Das gute Feedback bestärkt mich, meine ganz eigenen Dinge zu machen.

city.mag: Auf Ihrer neuen CD führen Sie indische und afrikanische Stile zusammen. Findet man da direkt eine gemeinsame Sprache?

Gurtu: Das ging problemlos. Ich denke, auf dem neuen Album, an dem afrikanische Künstler wie Angelique Kidjo, Omou Sangare oder Kassim Sidibe mitgewirkt haben, wird das deutlich. Musik ist für mich wie Gott: Sie führt Menschen zusammen, auch Afrikaner und Inder. Die afrikanischen Stile haben oft eine ebenso lange Tradition wie die indischen. Beide Kulturen wurden über lange Zeit durch Kolonialmächte ausgebeutet. Außerdem ist mehr als 80 Prozent der indischen Musik Improvisation. Ich denke, auch das passt.

city.mag: In welcher Besetzung gehen Sie denn auf Tour?

Gurtu: Leider werden Angelique Kidjo und Omou Sangare nicht dabei sein. Dafür aber Sabine Kabongo. Bei uns darf man übrigens auch mitmachen. In der Kölner Philharmonie habe ich direkt zu Beginn gesagt: ‚Liebe Leute, ich habe heute nicht viel Zeit. Singen Sie bitte sofort mit.‘ Die waren alle sofort dabei.

Interview: Frank Nischk