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Ein Land an der Küste: Tschechien auf der Frankfurter Buchmesse

Auf der Frankfurter Buchmesse können Fans auch in diesem Jahr ihre Lieblingsautor*innen aus allen Genres treffen. Tschechien ist Gastland und macht gleich einmal vor, wie sich KI und Literatur verbinden lassen.

Frankfurter Buchmesse
(Frankfurt am Main, Deutschland. Frankfurter Buchmesse 2025. © Copyright: Anett Weirauch / Frankfurter Buchmesse)

Kurz gesagt

Zum 78. Mal findet vom 7. bis 11. 10. die Frankfurter Buchmesse statt. Die Gästeliste ist wie immer prominent besetzt. Gastland ist in diesem Jahr Tschechien, das sich überraschend als „Land an der Küste" präsentiert.

Für die 78. Ausgabe hat die Frankfurter Buchmesse ihr Hallenlayout überarbeitet und übersichtlicher gestaltet. Für die Literaturfans, die vom 9. bis 11. Oktober kommen, soll es jetzt deutlich einfacher werden, die eigenen Lieblingsgenres- und autor:innen zu finden. An den eröffnenden Fachtagen trifft sich zunächst das Fachpublikum, und wie wohl niemand in diesen Zeiten der KI-Revolution, so kommt man auch auf der alteingesessenen Buchmesse nicht um die Frage herum, was sich mit der Künstlichen Intelligenz alles verändern wird. Die Buchbranche tauscht sich aus: über die eigene Zukunft, die Chancen und die Risiken im Angesicht dieser großen Veränderungen. Inspiration können sich die Offiziellen dafür gleich im tschechischen Gemeinschaftspavillon holen.

Tschechien ist Gastland

Denn hier wird die KI bereits in die Kunst eingebunden. Die ganze Woche über findet ein Live-Painting statt: Im Wechsel kreieren sechs tschechische Künstlerinnen jeden Tag ein einzigartiges Kunstwerk, unterstützt werden sie dabei von einem Roboter, der natürlich mit KI betrieben wird. Seine Präsenz als Gastland auf der Buchmesse stellt Tschechien unter das Motto „Ein Land an der Küste“, ein Rückbezug auf William Shakespeare. Dieser hatte das Königreich Böhmen in „Das Wintermärchen“ kurzerhand ans Meer verlegt, obwohl das Land zu Shakespeares Zeiten und überhaupt niemals eine Küste hatte. Mit dieser feinen tschechischen Ironie will das Gastland die Küstenmetapher als Hinweis verstanden wissen, dass es auch zum großen „Weltmeer der Literatur“ dazugehört. Für den Zugang zu diesem Meer steht die Küste.

Und so erscheint der Gastpavillon des Landes wie eine poetische Küstenlandschaft: Runde, aufblasbare Elemente und interaktive Bojen strukturieren den Raum, der auf einen literarischen Leuchtturm in der Mitte hinläuft. Wer da von der Verbindung Tschechiens mit der Küste immer noch nicht überzeugt ist, kann am Messesonntag die Veranstaltung „Wo zum Teufel liegt das tschechische Meer?“ besuchen und sich von Ondřej Macl und Anna Luňáková überzeugen lassen.

Viele Veranstaltungen

Von der tschechischen Zugehörigkeit zu diesem Weltmeer der Literatur kann sich das deutsche Publikum im Zuge der Buchmesse selbst überzeugen. 95 deutsche Verlage haben die Druckerpressen angeworfen und seit 2024 über 100 tschechische Bücher erstmals in deutscher Übersetzung herausgebracht. Im Audio Business Center stellen sich weitere 45 Verlage aus Tschechien mit einem eigenem Stand dem internationalen Publikum vor.

Die Literat:innen selbst sind natürlich auch dabei. Über 70 genreübergreifende Autor:innen aus Tschechien reisen nach Frankfurt, um die literarische Vielfalt ihrer Heimat zu präsentieren. Darunter sind etwa Kateřina Tučková („Gerta. Das Deutsche Mädchen“) und Jáchym Topol („Die Hölle gibt es nicht“). Dora Kaprálová stellt dem Fachpublikum ihren Roman „Die Mariborhypnose“ vor. Am Freitagabend (10. 10., 17 Uhr) leistet der Poetry-Slam-Battle Tschechien gegen Deutschland einen Beitrag für den interkulturellen Austausch zwischen Gastgeberland und Ehrengast. Da darf natürlich auch der bekannteste deutsch-tschechische Schriftsteller nicht fehlen: Magdaléna Platzová und Zuzana Říhová gehen der Frage nach, was uns der in Prag geborene Franz Kafka hundert Jahre nach seinem Tod eigentlich noch zu sagen hat.

Von Starautorinnen bis Politprominenz

Wie üblich strotzt die Gästeliste der Buchmesse in diesem Jahr vor bekannten Namen, mit Robert Habeck und Karl Lauterbach sind gleich zwei ehemalige Ampel-Minister da. Und aus dem Nähkästchen der aktuellen Bundesregierung dürfte die Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf plaudern, deren Karriere als Verfassungsrichterin im letzten Jahr an den CDU-Abgeordneten im Bundestag scheiterte. In „Wahl und Wahrheit“ spricht sie über diese Zeit und wendet sie sich gleich den großen gesellschaftlichen Fragen zu. Schon zu Beginn der Messe liest Gisèle Pelicot aus ihrer aktivistischen Autobiografie „Eine Hymne an das Leben. Die Scham muss die Seite wechseln“. Darin erzählt sie sehr persönlich ihre Lebensgeschichte, die auch die Geschichte davon ist, wie sie über Jahre von ihrem Ex-Mann und über 50 Mittätern systematisch betäubt, missbraucht und vergewaltigt wurde. Pelicot ist 2024 durch ihr mutiges und entschlossenes Auftreten im Strafprozess gegen eben diese Männer zu einem internationalen Symbol geworden.

Ob Cornelia Funke, Nele Neuhaus, Martin Suter, Thea Dorn oder Eva Menasse: Die Stars der deutschen literarischen Szene sind auch auf der Buchmesse vertreten. Dana Vowinckel spricht über ihren hochgelobten Roman „Anton und Alma“, mit dem sie Chancen auf den Deutschen Buchpreis hat. Auch Caroline Wahl wird für eine Signierstunde da sein. Fans sollten ihren neuen Roman „1999 Meter über dem Meer“ also besser einpacken, wenn sie zur Buchmesse fahren. Erstmals als frisch gebackener Kinderbuchautor reist Comedy-Legende Otto Waalkes an, der sich samstags zwei Stunden Zeit nimmt, um mit den großen und kleinen Fans über sein Buch „Karl, der kleine Ottifant. Ein Rüssel wie kein anderer“ zu sprechen.

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