FILM

TV-Tipp: „Eye in the Sky – In letzter Sekunde“

Eye in the Sky
Bild: ARD Degeto/Square One

Die Diskussion, ob ein Staat unschuldige Menschen töten darf, um Schlimmeres zu verhindern, ist seit 9/11 virulent. Seit Herbst 2015 wird Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“ auf vielen deutschen Bühnen gespielt und sehr kontrovers diskutiert, zumal die Zuschauer in den Aufführungen als Geschworene agieren. Mit „Eye in the Sky“ hat sich auch britischer Film dem Thema gewidmet, wenn auch ganz anders als das Theaterstück „Terror“.

Willkommen im modernen Drohnenkrieg! Colonel Katherine Powell (unerbittlich-zielstrebig: Hellen Mirren) leitet einen Einsatz von London aus, die Biometrieexperten sitzen in Pearl Harbor-Hickam, und Pilot Steve Watts (Aaron Paul, „Breaking Bad) soll vom Luftwaffenstützpunkt in Nevada aus auf den roten Knopf drücken. Alle sitzen sie in abgedunkelten Räumen und starren auf Bildschirmen in die Welt hinaus. Bei der Mission, al-Shabaab-Terroristen in Nairobi zu verhaften, wird bald klar, dass ein Zugriff nicht möglich, gleichzeitig aber die Gefahr mehrerer Selbstmordattentate sehr hoch ist. Kurzentschlossen will Colonel Powell deshalb die Mission ändern – hin zu einer gezielten Tötung per Luftschlag.

Kann gezielte Tötung gerechtfertigt sein?

Die Aufregung bei den zuständigen englischen Politikern und Juristen ist groß – während der US-Außenminister sofort grünes Licht gibt, tut man sich an der Themse schwer. Ein Telefonmarathon beginnt, während in Nairobi zusätzlich Minidrohnen zum Einsatz kommen: zunächst ein künstlicher Vogel, dann für den Einsatz im Haus der Terroristen eine künstliche Fliege, die von einem Agenten vor Ort per Fernsteuerung bedient wird und Bilder in alle Einsatzzentralen liefert, die für die Identifizierung der Terroristen nötig sind. Als auch der britische Außenminister der gezielten Tötung zustimmt und Steve Watts kurz vor seinem Einsatz steht, stellt sich ein junges Mädchen an die Hauswand in Nairobi und verkauft Brot. In Nevada verweigert Watts den Befehl …

Regisseur Gavin Hood hat „Eye in the Sky“ nüchtern inszeniert. Echtes Leben in Höfen und auf Straßen findet nur in Nairobi statt, ansonsten ist der Film ein Mehrfachkammerspiel, in dem hochkonzentriert gearbeitet und über Videokonferenzen hart diskutiert wird – manchmal stark an der Grenze zum Lehrbuchhaften. Ab wann darf der Luftschlag geführt werden? Bei 65-prozentiger Gefahr um das Leben des Mädchens? Oder erst bei 45 Prozent? Ein Feilschen beginnt, dann wird entschieden, und plötzlich wird es melodramatisch. Am Ende beweint der Film die Opfer, während die verantwortlichen Militärs die Routine vorantreiben. Das mag realistisch sein in der Darstellung, und doch hat die Aussage stark apologetische Züge und nimmt dem Zuschauer damit das Recht auf ein „Nein“.

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