FILM

TV-Tipp: Gaspar Noés „Climax“

Climax

Mit Exzess kennt sich Gaspar Noé bestens aus: In „Irreversibel“ schockte der Argentinier mit exzessiver Gewalt, in „Love“ ging es um exzessiven Sex. „Climax“ dreht sich um exzessives Feiern: Kurz vor ihrer Tournee schließt sich eine 21-köpfige Tanztruppe in einem bunkerartigen Gebäude ein, um zu Disco- und French-House-Hits gemeinsam Party zu machen. Die erste Stunde ist grandios choreografiertes Rausch- und Körperkino. Abgesehen von einigen entbehrlichen Interviewsequenzen, konzentriert sich „Climax“ vollends auf den Tanz als Ausdrucksmittel und Kommunikationsform, fängt die Bewegungen in pulsierenden Bildern und aus Dutzenden Kamerawinkeln ein.

Doch so wie auch der Sex im Egotrip „Love“ schlussendlich unglücklich machen musste, reißt Noé auch in hier den utopischen Begegnungsraum in der zweiten Hälfte mit aller Wucht ein. Jemand hat den in Strömen fließenden Sangria mit einer Extraportion LSD angereichert, die Tänzerinnen und Tänzer verlieren jede Kontrolle – und eine laute, redundante Eskalationsspirale nimmt ihren Lauf. Auch das ist Noé: ein lustfeindlicher Styler, der mit dem Exzess hausieren geht, ihm aber skeptisch gegenübersteht, der ihn zelebriert, um besser vor ihm warnen zu können.

Nichts verpassen! Einfach unseren Film-Newsletter abonnieren! Anmelden