FILM

TV-Tipp: „Höhere Gewalt“ von „The Square“-Regisseur Ruben Östlung

Höhere Gewalt
Bild: © Plattform Produktion/Fredrik Wenzel

Schon in „Play – Nur ein Spiel“ (2011) erschütterte der schwedische Regisseur Ruben Östlund („The Square“) unser Vertrauen in unseren Blick auf andere und konstatierte die Zerbrechlichkeit von Überzeugungen und sozialen Rollen. Ging es dort um das gesamtgesellschaftliche Thema Migration, zieht Östlund den Kreis nun enger: Eine Familie macht Skiurlaub in den französischen Alpen, Vater Tomas arbeitet zu viel. Als eine Lawine die vier auf der Hotelterrasse beinahe verschüttet, springt Tomas auf und greift sich … nicht seine Kinder, sondern Handschuhe und iPhone.

Frau Ebba kann darüber nicht hinweg. Kann sie ihrem Mann noch Vertrauen? Oder sind Handlungen nicht planbar, wenn der Überlebensinstinkt die Kontrolle übernimmt, wie ein Freund der beiden meint? Der Urlaub ist jedenfalls versaut …

In langen statischen Einstellungen beobachtet Östlund, wie drinnen nachts eine Ehe und Tomas’ Männlichkeit erodiert, während draußen kriegsartig laute Sprengungen kontrollierte Lawinen auslösen und Planierraupen den Touristen ihre Kunstwellnesswelt pflegen – begleitet vom Allegro des Sommers aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Wie in „Play“ dreht Östlund auch hier im übertragenen Sinne die Kamera um und stellt dem Zuschauer die Frage: Wie würden Sie reagieren? In dieser frontalen Aufforderung zum Hinterfragen der eigenen Sichtweise steckt die große Qualität von Östlunds Arbeiten. Auch, wenn er seine Geschichte diesmal etwas streckt und eine unbefriedigende Auflösung anbietet.

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