FILM

TV-Tipp: Michael Fassbender in „Slow West“

Slow West
Bild: ZDF/Robbie Ryan

Im ausgehenden 19. Jahrhundert bricht der unbedarfte Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) von Schottland nach Colorado auf, um das Mädchen zu finden, in das er sich verliebt hat – bald trifft er den einsilbigen Fremden Silas (Michael Fassbender), der ihm Schutz anbietet, tatsächlich aber andere Interessen hat …

Oft wurde der Western totgesagt, doch immer wieder gibt es Filme wie „Slow West“, die das traditionsreiche Genre mit der gebotenen Distanz am Leben halten – es ist kaum vorstellbar, dass es sich bei diesem poetischen Neo-Western um das Regiedebüt eines hauptberuflichen Indiemusikers handelt, so unaufgeregt, präzise und gleichzeitig dicht ist John Macleans Inszenierung.

Der Film weicht strukturell kaum von den Konventionen des klassischen Westerns ab, unterminiert dessen Mythen aber auf kluge Art und Weise: Die Spiegelung der beiden Protagonisten fungiert als Analogie einer archaischen Gesellschaftsordnung, die mit der Jahrhundertwende im Umbruch begriffen ist – zwar stößt Immigrant Jay in einer Welt ohne Gesetze, die ihre Versprechen auf Reichtum und Freiheit nicht einlöst, schnell an seine Grenzen. Doch steht er als Konterpart zum von Silas verinnerlichten Prinzip des Faustrechts für das nahende Ende der oft romantisierten Ära. Ein vielschichtiger und kraftvoller Film.

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