FILM

TV-Tipp: „Mr. Turner – Meister des Lichts“

Mr. Turner
Bild: rbb/Channel Four Television Corporation, The British Film Institute, Diaphana, France3 Cinéma, Untitled 13 Commissioning Ltd 2014

Kaum etwas klingt unspannender als ein zweieinhalbstündiger Film über Leben und Schaffen des britischen Malers William Turner (1775–1851) – ist doch kaum ein Genre erzählerisch so limitiert wie das herkömmliche Biopic. Doch Mike Leighs „Mr. Turner“ ist keine schlichte Nacherzählung anhand biografischer Meilensteine, sondern ein fragmentarischer Bilderbogen aus Momentaufnahmen, Episoden und Sinneseindrücken.

Leigh malt mit der Kamera, seinen leuchtenden Panoramabildern der Seen- und Hügellandschaft der Grafschaft Sussex wohnt nicht selten eine ähnliche poetische Überhöhung inne wie den Ölbildern Turners – dass der Film aber nicht in seiner Schönheit ertrinkt, liegt vor allem an Hauptdarsteller Timothy Spall, der Turner als zerrissene Gestalt spielt, als Exzentriker und Getriebenen.

Er grunzt, lallt und spuckt auf Gemälde (nicht zwingend auf seine eigenen), sein stetes Ringen mit sich und seiner Umwelt wird in jeder Minute sichtbar – selten hat man den Archetyp des wahnsinnigen Genies so kraftvoll und sensibel verkörpert gesehen wie in diesem berückendem Anti-Epos, das sich auserzählten Erzählkonventionen beharrlich verweigert. Damit kommt Leigh aber der Person und dem Künstler Turner umso näher.

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