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TV-Tipp: „Mustang“ – Ausbruch aus dem Patriarchat

Fünf türkische Schwestern begehren gegen die strengen Regeln ihres Umfelds auf. Die Eltern beginnen daraufhin, sie eine nach der anderen zu verheiraten …

Mustang
Foto: © CG Cinema/Vistamar Filmproduktion/uhlandfilm/BAM Film/Kinology

Ein Dorf im Norden der Türkei: In der Hitze des Sommers sammeln Lale und ihre vier Schwestern bei einem Bad im Meer spielerisch erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Als ihr Onkel davon erfährt, wird aus dem harmlosen Anbändeln ein handfester Skandal: Es folgen Hausarrest, Benimmunterricht, arrangierte Ehen – doch nach und nach proben die Mädchen den Aufstand …

Wenn Regisseurin Deniz Gamze Ergüven einen männlichen Blick annimmt und ihre Protagonistinnen in Hotpants aus der Untersicht filmt, kann man das als visuellen Ausdruck eines erwachenden sexuellen Selbstbewusstseins deuten oder aber für widersprüchlich halten – ansonsten nämlich ist ihr Film ebenso entschieden wie seine kämpferischen Hauptfiguren.

Ergüven interessiert sich weniger für den Zustand der Lethargie als für den Angelpunkt, an dem aus Restriktion schließlich Aufbegehren erwächst – den finalen Befreiungsakt inszeniert sie gar im Stil eines Gefängnisausbruches. „Mustang“ ist ein stürmischer, manchmal komischer, immer dringlicher Appell gegen patriarchalische Unterdrückung – und darüber, ob die zeitweise Nähe zu aseptischer Werbeästhetik eine gewollte Irritation ist, lässt sich zumindest vortrefflich diskutieren.

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