FILM

TV-Tipp: „Parasite“ erstmals im Free-TV

Szenenbild aus Parasite: Ki Jung (Park So-dam) und Ki Woo (Choi Woo-shik) knien mit dem Smartphone in der Hand neben der Toilette.
Bild: ARD Degeto/KochMedia

Die vier Mitglieder der Familie Kim – Vater, Mutter, Sohn und Tochter – leben gemeinsam in einer viel zu kleinen, heruntergekommenen Untergeschosswohnung; als Nebenverdienst falten sie Pizzakartons, über den Boden kriechen Schaben, und weil sie sich kein WLAN leisten können, schnorren sie sich das Signal des Nachbarhauses, müssen dafür aber zusammengekrümmt in einer Ecke des Badezimmers sitzen. Der rettende Impuls, um den prekären Verhältnissen zu entfliehen, kommt schließlich von einem alten Schulfreund von Sohn Gi-u (Choi Woo-shik), der bei der reichen Familie Park als Englisch-Nachhilfelehrer angestellt ist und Gi-u als Vertretung vorschlägt. Dank eines rasch gefälschten Diploms er freundlich von Frau Park in ihrem Anwesen empfangen, und es dauert nicht lange, bis er sich vom luxuriösen Lebensstil der Parks derart angezogen fühlt, dass er ihnen kurzerhand auch seine Freundin Jessica als Kunsttherapeutin für den jüngeren Sohn aufschwatzt. Nur dass Jessica gar nicht existiert und er in ihrer Rolle seine Schwester Gi-jeong vorschickt. Und auch sie richtet sich schnell in ihrer Rolle ein …

Mit „Parasite“, der als erster südkoreanischer Film überhaupt in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde und nun ins Rennen um eine Oscar-Nominierung geht, führt Bong Joon-ho zum vorläufigen Höhepunkt, was er in seinen vorherigen Filmen (u. a. „Snowpiercer“) schon auf verschiedene Arten durchdekliniert hat: Gesellschaftskritik als Genrekino, in dem er vermeintlich spielend die unterschiedlichsten Tonalitäten unterbringt und waghalsige Wendungen aneinanderreiht, die aber nie zum Selbstzweck werden. Der Film entwickelt sich von einer Sozialkomödie in fast slapstickhaftem Tonfall zu einem teils verstörenden Home-Invasion-Szenario, für das uns Bong in die Perspektive der Invasoren drängt, um hochgradig ambivalent von der Verführbarkeit durch Machtstellungen zu erzählen. Ein Klassenkampf als Kammerspiel – das es spätestens am Schluss auch noch schafft, tief zu berühren.

„Parasite“ läuft um 23 Uhr im Ersten.

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