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TV-Tipp: Schuld und Sühne in „Das unbekannte Mädchen“

Das unbekannte Mädchen
Bild: © Christine Plenus

Eine Stunde nach Praxisschluss klingelt ein Mädchen bei der jungen Ärztin Jenny (Adèle Haenel). Ihr Praktikant will öffnen, doch Jenny verbietet es ihm – eigentlich nur, um ihrer Autorität Ausdruck zu verleihen. Am nächsten Tag meldet sich die Polizei. Das Mädchen wurde tot aufgefunden, vermutlich ermordet. Geplagt von Schuldgefühlen stellt Jenny selbst Nachforschungen an: Wer ist die Unbekannte – und was ist mir ihr passiert?

Den Weg zur Lösung des Whodunits, das hier stets miterzählt wird, übersteht der Film nicht ganz klischeefrei. Der größte Vorwurf, den man Jean-Pierre und Luc Dardenne („Rosetta“) daraus stricken kann, bleibt aber, dass ihnen diesmal kein Meisterwerk gelungen ist – sondern nur ein sehr guter Film: Den Schuld- und Verantwortungskomplex verdichten die Regiebrüder zu einem von existenzieller Spannung durchdrungenen Drama, schmucklos realistisch, aber nicht nüchtern inszeniert.

Auch in „Das unbekannte Mädchen“ nutzen die belgischen Filmemacher ihr soziales Gewissen weder agitatorisch noch verkitschend. Jenny behandelt vor allem sozial benachteiligte Menschen, ist in ihrer kühlen Professionalität aber nicht einmal besonders sympathisch. Die Dardennes wissen genau, dass ein aufrichtiges Interesse am Menschen Ambivalenzen und Widersprüche dulden muss.

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