Tyler Ballgame: Fab One
Gleich zwei Beatles-Mitglieder haben Tyler Ballgame zu seinem Debütalbum inspiriert.
Tyler, deine Musik schwebt zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Du greifst klassische Popformeln auf und holst sie ins Jetzt. Schwingt das auch im Titel deines Debütalbums „For the first Time, again“ mit?
Tyler Ballgame: Da geht es eher darum, dass das Album in einer Übergangsphase entstanden ist. Ich war gerade nach Los Angeles gezogen, hatte alles zurückgelassen: meine Familie, meine Freunde, all die Sicherheit, die ich auf der anderen Seite des Landes hatte. Und dann habe ich in L.A. plötzlich all diese neuen Freunde gefunden, diese neue Gemeinschaft. Es war so, als hätte alles, was ich zurückgelassen hatte, nur auf mich gewartet — nur eben ganz woanders.
Also ist das Album zugleich ein Neubeginn und ein Zusammenführen von allem, was du bisher geschaffen hast?
Ballgame: Ja, es fühlt sich definitiv wie eine Kulmination meiner ganzen Reise an – und wie ein Ankommen, vor allem dadurch, dass ich Kollaborateure wie meine Produzenten Jonathan Rado und Ryan Pollie getroffen habe. Wenn man mit jemandem wie Rado arbeitet, bekommt man analoge Sounds, die einfach nicht typisch sind für jemanden, der sonst nur am Computer arbeitet.
Was waren deine konkreten Inspirationen?
Ballgame: Die gesamte Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Die Beatles sind für mich das Nonplusultra, wie Musik klingen sollte. Wenn ich mit irgendeinem Künstler auf der Welt zusammenarbeiten könnte, wäre es Paul McCartney. Eine weitere Inspiration war moderner Indie – ich habe früher viel Fleet Foxes gehört.
Auf dem Album taucht oft das Wort „you“ auf — wer ist dieses „you“? Denkst du dabei an eine bestimmte Person?
Ballgame: Ich liebe dieses eine John-Lennon-Zitat. Er wurde damals nach dem Song „How do you sleep“ gefragt — dem Stück, das er in einer Streitphase über Paul McCartney geschrieben hat. Und Lennons Antwort darauf war sinngemäß: Das bin alles ich. Damit meinte er: Beim Schreiben kommt man im Grunde nie von sich selbst weg. Alles, was man textet, jedes Gefühl, jede Perspektive — es stammt letztlich aus dem eigenen Inneren. Ich kann nur aus mir selbst schöpfen. Wenn ich also „du“ schreibe, dann ist es in gewisser Weise trotzdem immer ein Teil von mir. Ich kann vor mir selbst nicht davonlaufen.
Entsprechend sind die Texte des Albums auch ziemlich intim. Wie entscheidest du, ob etwas so Persönliches bereit ist, geteilt zu werden?
Ballgame: Da habe ich eigentlich nie drüber nachgedacht. Ich bin ein ziemlich offener Mensch. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich sehr jung war, und ich war schon als Kind in Therapie. Ich bin es gewohnt, über Gefühle zu sprechen und sie zu externalisieren – was für mich die Basis des Songwritings ist: Das Innere nach außen zu bringen. Das ist die Kunst.