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Valeria Luiselli: Falsche Papiere

Bevor diejenigen, die Valeria Luisellis zauberhaftes, surreal flackerndes Romandebüt „Die Schwerelosen“ geliebt haben, unbedarft auch „Falsche Papiere“ zur Hand nehmen, sei etwas geklärt. Luiselli ist nicht ausschließlich Romancière, sondern auch Dozentin und Journalistin, und ihr neues Buch ist keine fiktive Unterhaltung oder unterhaltende Fiktion – sondern eine Sammlung essayistisch aufgearbeiteter Überlegungen. Die 1983 geborene Autorin scheint zu jung zu sein für die Selbstverständlichkeit, mit der sie die vielen Dichter, Denker und Literaten zitiert. Vor allem aber lebt ihre eigene Sprache und ist in enormem Maße poetisch – wenn sie sich, man möchte sagen: gehen lässt.

Denn wenn Luiselli sich im Zitatedschungel bewegt, verheddert sie selbst sich zwar nicht, lässt aber diejenigen, die nicht folgen können, bereitwillig zurück. Zuweilen erreichen ihre Quer- und Rückverweise eine dozierende bis bilbliografische Qualität, und in dieses Momenten erscheint „Falsche Papiere“ etwas prätentiös. Zur Bescheidenheit gezwungen ist diese – nicht nur – für ihr Alter hochbegabte Autorin sicher nicht, und ihren Essays ist die Klugheit nicht im geringsten abzusprechen. Am schönsten zu lesen ist Luiselli aber in den erzählenden Passagen. Immer dann, wenn sie wirkt, als trüge die Sprache auch sie davon.

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