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Literatur

Verkaufsstopp für Sally Rooneys Bücher in Großbritannien

Wegen der finanziellen Unterstützung von Palestine Action werden ihre Romane nicht mehr ausgeliefert – doch zunächst profitiert Sally Rooney von den Panikkäufen auf der Insel.

Portraitfoto Sally Rooney, deren Romane in Großbritannien nicht mehr ausgeliefert werden
(Foto: Kalpesh Lathigra)

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney wurde mit „Normale Menschen“ und „Gespräche mit Freunden“ bekannt und erreichte mit ihren feinsinnigen, nahbaren Beobachtungen und herzzerreißenden Liebesgeschichten ein junges internationales Publikum; ihre Romane wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Auch in Deutschland ist sie ein Literaturstar. Jetzt gibt es zwei Jahre nach ihrem vierten Roman „Intermezzo“ eine erneute Welle der medialen Aufmerksamkeit: Weil die Bestsellerautorin und langjährige Kritikerin der Zustände im Gaza-Streifen und auf der Westbank der in Großbritannien als Terrororganisation verbotenen Aktivistengruppe „Palestine Action“ einen Teil ihrer Tantiemen versprochen hat, stellt ihr Verlag Faber&Faber nun die Auslieferung von Rooneys Werken auf der britischen Insel ein.

Buchcover „Normale Menschen“ von Sally Rooney

Die Autorin bekennt sich zum Marxismus und ist BDS-Unterstützerin. Seit 2014 engagiert sich Rooney für Palästina, und mit den Tantiemen ihrer Buchverkäufe unterstützt sie die Organisation „Palestine Action“ finanziell. Nachdem deren Aktivisten zwei britische Militärflugzeuge beschädigt hatten, wurde die Organisation im Sommer 2025 von der britischen Regierung als Terrororganisation eingestuft. Seitdem ist jede Unterstützung der Organisation strafbar. Rooney lässt sich von dem Verbot allerdings nicht einschüchtern und will ihre Unterstützung der Organisation fortsetzen. Wie sie für The Guardian schrieb, müsse man, um gegen staatliche Unterstützung eines Völkermord vorzugehen, Gesetzesverstöße in Kauf nehmen.

Ihr Verlag Faber&Faber stellt in Absprache mit Rooney den Verkauf der Bücher ein, denn nach der aktuellen Gesetzeslage könnte der Verlag die erzielten Einnahmen nicht an Rooney weitergeben. Es wundert nicht, dass ein wahrer Verkaufsboom einsetzt hat: Der Schritt hat in Großbritannien zu Panikkäufen ihrer Romane geführt. In manchen Buchläden im nordirischen Belfast sollen sie nun ausverkauft sein, und auf der britischen Amazon-Seite sind auch die älteren Romane wieder unter den Top‑500-Büchern aller Kategorien.

Buchcover „Intermezzo“ von Sally Rooney

Der Zensur hat sich Rooney ganz bewusst selbst ausgesetzt. Sie schreibt in der Irish Times: »Wenn mich das nach britischem Recht zu einer Terrorunterstützerin macht, dann sei es so.« Möglicherweise ist es auch Teil ihres Aktivismus, dieses Risiko einzugehen. Ist der Aufschrei über die Bedrohung der Kunstfreiheit vielleicht sogar von Rooney gewollt?

Prominente wie Tilda Swinton, Zadie Smith und Paul Mescal solidarisieren sich mit Rooney

In einem offenen Brief haben sich jetzt fast 160 Persönlichkeiten aus der europäischen Kulturwelt für die irische Bestseller-Autorin Sally Rooney ein. „Sally Rooney ist eine Schriftstellerin, keine Terroristin“, schreiben die Unterzeichner:innen, zu denen etwa Tilda Swinton, Zadie Smith, Paul Mescal, Annie Ernaux, Julian Barnes, Arundhati Roy, Colm Tóibín und die Literaturnobelpreisträgerin Anne Carson gehören. Sie prangern eine Maßnahme an, die „auf einer schlecht konzipierten und drakonischen Anti-Terror-Gesetzgebung beruht“ und ihrer Meinung nach „einen Verstoß gegen die Grundprinzipien der Meinungsfreiheit“ darstellt, die im Vereinigten Königreich so lange als selbstverständlich gegolten hätten.

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