MUSIK | Album

Volker Kriegel – Two Concerts

Stück für Stück kommt sie wieder, die Erinnerung an Deutschlands vielleicht wichtigsten Jazzrockgitarristen – Volker Kriegels musikalischer Nachlass ist sein persönliches Tonbandarchiv, aus dem MIG aktuell Aufnahmen herausgefischt hat, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Lagos und Bochum werden ja eher selten in einem Atemzug genannt, „Two Concerts“ versammelt zwei Kriegel- Gigs zwischen nigerianischer Sonne und Ruhrpottdunst. 1979 hatte das Goethe-Institut noch ein Renommee für aufwändige kulturelle Brückenschläge, einer davon war Kriegels Afrikatrip. Mit dem Bus und dem Mild Maniac Orchestra an Bord gings kreuz und quer durch elf Staaten des Kontinents.

„Two Concerts“ ist ein Genuss für Volker-Kriegel-Fans

Glaubt man Kriegels Witwe Ev, muss das ein ziemlich chaotisches Unterfangen gewesen sein, und dass selbst die größten Musikfans in Nigeria mit Krautjazzrock nicht allzu viel anzufangen wussten, hört man auf der Aufnahme am verhaltenen Applaus. Elf Jahre später, das Mild Maniac Orchestra war weitgehend Geschichte, stand Kriegel dann im Bochumer Kulturbahnhof auf der Bühne. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich sein Schaffen von eleganten Melodielinien eher in Richtung längerer Improvisationen gedreht, der „späte“ Volker Kriegel schaltete gern vom Bandleader zum gleichberechtigten Mitspieler um. Gleichwohl gab es auch in Bochum Werke wie „Octember Variation“ aus frühen Tagen zu hören. Fans sollten sich dann und wann zwei Stunden Zeit für diese Vertikalverkostung nehmen. ron

„Two Concerts“ ist am 18. 10. bei Moosicus Records erschienen. Beide Teile des Albums könnt ihr auf Spotify hören und auf Amazon kaufen.