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William McIlvanney: Laidlaw

Monster gibt es nicht in Glasgow. Doch nach dem Fund eines vergewaltigten und erwürgten Mädchens steht Inspector Jack Laidlaw mit dieser Meinung ziemlich schnell alleine da. Polizeikollegen, Angehörige des Opfers und Gangsterbosse rufen zur Jagd auf die angebliche Bestie, denn es gibt zwar nur einen Täter, aber viele Schuldige, die entweder ihr Gewissen reinwaschen wollen oder eine Chance zur Abrechnung nutzen wollen. Laidlaw weiss, dass er schnell sein muss, damit nicht bald noch ein Mord geschieht. Mit dem unerfahrenen Detektive Harkness an seiner Seite recherchiert er in den Hinterzimmern dunkler Pubs und heruntergekommener Wohnhäuser. Dabei lernt Harkness, wie sich die Wahrheit im Nichtgesagten verbirgt oder Verbindungen durch Lügen geleugnet werden. Vor allem aber muss er erfahren, dass Moral und Ehre viele Facetten haben können.

William McIlvanneys spannender Einstieg in die Laidlaw-Serie erschien bereits 1977 und ist durch die gekonnte Adaption amerikanischer Noir-Erzählstrukturen zum Wegbereiter des schottischen Polizeiromans geworden. Und zugleich wirft er einen liebevollen Blick auf das durch Ruß geschwärzte Glasgow, das zu jener Zeit eine triste Industriestadt war, die durch die Wirtschaftskrise von Armut und Gewalt gezeichnet wurde. Dank der Neuübersetzung von Conny Lösch aufpoliert, funkelt diese dunkle Perle McIlvanneys jetzt wieder sprachlich und stilistisch aus dem Meer stumpf-stereotypischer Kriminalromane hervor. (nh)

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