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William S. Burroughs: Radiert die Worte aus. Briefe 1959 – 1974

William S. Burroughs war: Junkie, Paranoiker, literarischer Extremist – die graugesichtige Eminenz der Beat Generation in Nadelstreifen und mit Stetsonhut. Seine Werke sind von Schwulen, Süchtigen und Wahnsinnigen bevölkerte, von totalitären Kontrollinstanzen beherrschte Phantasmagorien; Albtraumlandschaften voller Exkremente und glibbriger Wesen, die in ihrer bizarren Fremdartigkeit meist faszinierend, nicht selten abstoßend, hin und wieder unlesbarer Blödsinn und manchmal auch alles zugleich sind.

Dass Burroughs, der einst im Drogenrausch seine Frau bei einem Wilhelm Tell-Spiel erschoss, zeitlebens ein Grenzgänger auf der ganz dünnen Linie zwischen Genialität und vollkommener Verrücktheit war, spiegelt sich auch in diesen Briefen wider: Burroughs, der seinen Briefpartnern – u.a. die Schriftstellerkollegen Allen Ginsberg, Paul Bowles und Alexander Trocchi – in messianischem Eifer den von ihm ausgemachten revolutionären Charakter der Cut-Up-Methode (bei der Texte zerschnitten und neu zusammengesetzt werden) nahezubringen versucht. Burroughs, der von der Wirksamkeit der Apomorphin-Behandlung, die er als alleinig wirksam gegen Heroinsucht betrachtete, predigt. Burroughs, der sich in einen Oktopus verwandeln will, Organakkumulatoren erbauen lässt und Frauen als „Auslaufmodelle“ bezeichnet.

Vieles davon bestätigt das Bild des enigmatischen Exzentrikers, und doch schimmert hier der Mensch Bill Burroughs mehr denn je unter den launigen Spleens des Hombre invisible durch: Man liest, wie Burroughs seinen Sohn rührend beim Schreiben von Gedichten bestärkt, sich mit zwielichtigen Vertragsvereinbarungen herumschlägt, oder seinen Eltern mit beinahe fünfzig stolz von seinem sicherer werdenden Einkommen berichtet. Für Burroughs-Adepten und Fans der Beat-Generation ist das Buch allein deswegen uneingeschränkt empfehlenswert.

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