„Wir glauben euch“: Hier spürt der Zuschauer jede Emotion
Dieser Film packt einen komplett: Das Justizdrama „Wir glauben euch“ handelt von einem Sorgerechtsstreit, der keine Gewinner kennt.
Ein Sorgerechtsstreit soll verhandelt werden. Was vorgefallen ist, bleibt zunächst im Vagen. Dass der zehnjährige Etienne sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, zum Gericht zu fahren, spricht Bände. Dass dort unerwartet ihr Ex-Mann erscheint, bringt auch Alice (Myriem Akheddiou) aus der Fassung. Sie steht unter schier unerträglichem Druck. Denn hier entscheidet sich, ob sie ihre beiden sichtlich traumatisierten Kinder vor dem Zugriff des Vaters (Laurent Capelluto) beschützen kann.
„Wir glauben euch“ ist formal ein Justizdrama, zusammengeschnurrt auf ein minimalistisches Kammerspiel, das fast ausschließlich in der bedrückenden Atmosphäre seelenloser Amtsräume spielt. Das Kernstück, die rund einstündige Anhörung, wurde parallel mit drei Kameras in Echtzeit – und mit echten Anwält:innen als Darsteller:innen – aufgenommen. Die Gesichter sind oft minutenlang in Close-up zu sehen. Jede Regung – seien es Angst, Überforderung, Wut oder Panik – überträgt sich nicht nur emotional, sondern geradezu körperlich spürbar auf die Zuschauer:innen. Das pulsierende Sounddesign treibt den Herzschlag noch weiter an. „Wir glauben euch“ ist ein Psychothriller, der seine Spannung nicht aus der Frage „Wer hat recht? Wer lügt?“ bezieht, sondern aus der Ohnmacht, welche Opfer erleben, die sich einem vermeintlich neutral agierenden Justizsystem ausgeliefert sehen.