FILM

Drogen, Strich und Klubkultur

Das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von den Stern-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck aus dem Jahr 1978 war über zwei Jahre ein Verkaufsschlager, die Verfilmung von Regisseur Ulrich Edel wurde 1981 ein Skandal in Nachkriegsdeutschland und konnte in vielen Ländern wegen einer brutalen Vergewaltigungsszene und einigen expliziten Szenen zum Drogenkonsum nicht unzensiert gezeigt werden. Jetzt hat Philipp Kadelbach („Parfum“, „Riviera“) für Amazon Prime Christiane Felscherinows Abrutschen in Drogenabhängigkeit und Prostitution als Serie verfilmt.

Die Pilotfolge führt in das Leben der Jugendlichen ein, zeigt ohne Larmoyanz und Kitsch ihr tastendes bis rigoroses Suchen nach ihrem Selbst und die individuellen Probleme in jedem Elternhaus, ohne einen platten Kausalzusammenhang zu den vielen Fehlentscheidungen der Teenager herzustellen. Schön und gleichzeitig bitter ist die Schlussszene der ersten Folge, als sich Christiane (Jana McKinnon), Stella, Babsi, Benno, Axel und Michi zum ersten Mal in der Diskothek Sound treffen und beim Tanzen emporsteigen, um über allen anderen Tanzenden zum Rhythmus der Musik die Freiheit auszuleben, die sie gar nicht besitzen.

Wenn der Sechsteiler den Absturz von der Freiheitssuche in den Drogensumpf und den Verkauf des eigenen Körpers zur Finanzierung der Drogen von LSD bis Heroin ähnlich unprätentiös schildert, ist „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ absolut gelungen. Alexander Scheer spielt übrigens David Bowie, der für die 1981er-Verfilmung Konzertmaterial zur Verfügung gestellt hatte.