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Musik

Wo Worte enden: Radie Peat widmet sich irischer Folklore

Warum Lankum-Sängerin Radie Peat ein Soloalbum mit traditionellen irischen Folksongs veröffentlicht? Es war die einzige Möglichkeit, gewisse Dinge zu kommunizieren.

Radie Peat, die Sängerin von Lankum, schaut nachdenklich in die Ferne auf einem schwarz-weiß Porträt.
Radie Peat findet in der Musik, was Worte allein nicht leisten können. (Foto: Anthony O Connor)

Radie, wie war es für dich, nach so langer Zeit in einer Band plötzlich alle Freiheiten zu haben und allein an einem Projekt zu arbeiten?

Radie Peat: An manchen Tagen habe ich mir gewünscht, dass jemand kommt und mir hilft. Alles andere, was ich tue, ist kollaborativ. Mich hat interessiert, wie anders alles wäre, wenn ich es komplett allein machen müsste. Das war eine Art Herausforderung. Es gibt dem Ganzen außerdem einen eigenen, unverwechselbaren Klang, weil du durch die Instrumente begrenzt bist, die du spielen kannst. Durch deine Stimme, dein Können und die Zeilen, die du schreibst. Du bist durch dein eigenes Gehirn limitiert, und das ist eine interessante Einschränkung, die man sich selbst auferlegt.

Dein Solodebüt beschäftigt sich mit Volksliedern als kollektivem Erlebnis und greift traditionelle irische Folklore auf. Wie hast du die Lieder für das Projekt ausgewählt?

Peat: Bei Volksliedern sammelt man sein ganzes Leben lang. Manche kenne ich schon ewig, einige sind aber auch von Feldaufnahmen und aus Archiven, aus Büchern, aber auch von Menschen im echten Leben. Wenn mich ein Lied oder eine Version interessiert, höre ich so viele Versionen wie möglich, und das geht heute sogar von zu Hause aus: Es gibt riesige digitale Bibliotheken mit Feldaufnahmen aus Irland, Amerika, der ganzen Welt.

Mich hat „Willow Garden“ besonders berührt. Obwohl es ein altes Lied ist, passt es traurigerweise in die heutige Zeit: Der Text über Gewalt gegen Frauen ist erschreckend aktuell.

Peat: Ich wollte dem Song einen seltsamen Kontrast geben. Es ist eine Murder Ballad, extrem gewalttätig. Aber beim Hören sollte es tröstlich und beruhigend sein. Außerdem verändert es den Kontext, dass ich als Frau das singe. Von den vielen Murder Ballads, die ich kenne, gibt es nur eine, in der eine Frau einen Mann tötet. Sonst ist es immer umgekehrt.

Die düsteren Elemente sind Teil einer größeren Geschichte auf dem Album. Wie hast du die Reihenfolge festgelegt?

Peat: Ich wollte der Platte einen Atem geben. Manche Songs sollen sich angenehm anfühlen, fast wie eine Umarmung, andere sind als Herausforderung gedacht. Die Reihenfolge ist wichtig:, denn ich habe die Tracks bewusst so sequenziert, dass nach etwas Hartem oder Rohem immer eine Entlastung kommt. Es sollte nie zu überfordernd werden.

War es schwer, einen Titel zu finden, der das gesamte Werk verbindet?

Peat: Der Titel „No human Tongue can tell“ bezieht sich auf eine Zeile, die in vielen amerikanischen Balladen vorkommt, meist im Sinne von: Kein Wort kann die Liebe oder die Traurigkeit beschreiben, die ich fühle. Die Lieder vermitteln, was ich hier im Gespräch nicht in einen Satz fassen kann. Das ist der Grund, warum es das Album gibt: Einige Dinge lassen sich eben nicht durch Sprache kommunizieren. Musik ist eine riesige Palette, um Gefühle und Teile dessen zu vermitteln, was man als Mensch auf diesem Planeten erlebt hat.

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